Montag, 12. Juni 2017

Meinem Kopass hinterher...

...bin ich gegangen und er hat mich einmal übers Meer, ans andere Ende der Welt geschickt. Nun bin ich wieder zu Hause, mein Kompass zeigt Richtung Zukunft. Afrika liegt jetzt wieder tausende Kilometer von mir entfernt, und somit endet nun auch mein Blog. Was ich im allerletzten Blogpost noch los werden wollte, werde ich jetzt hoffentlich irgendwie aufs Papier bringen:


„Du kannst Afrika verlassen, aber Afrika wird dich niemals verlassen“. Dieser Satz begegnete mir vor einiger Zeit und ich fand ihn irgendwie passend, um meine aktuelle Lage in Worte zu fassen. Fast einen Monat bin ich nun schon wieder zu Hause in Deutschland und ich habe mich an mein „normales“ Leben erstaunlich schnell gewöhnt: Ich dusche mit heißem Wasser, ich lackiere mir meine Fingernägel, ich gehe in den Supermarkt, ich habe immer und überall Elektrizität und Internet, ich frühstücke mit meiner Familie, bin mit meinen Freunden unterwegs. Eigentlich ist alles so, wie es immer gewesen war. Ich bin wieder zu Hause.

Ich habe Afrika verlassen.

Und trotzdem: Afrika hat mich nicht los gelassen und wird es auch nie tun, da bin ich mir ziemlich sicher. Denn egal ob ich heißes und sauberes Wasser benutze, mir den Lieblingsnagellack heraussuche, mir im Supermarkt kaufe worauf ich gerade Lust habe oder mir mit der Kaffeemaschine einen Latte Macciato mache: Ich weiß, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Einige Leute haben mich nach meiner Rückkehr gefragt, was ich für mich in Afrika gelernt hätte. Und auch wenn ich wahrscheinlich tausend Mal mehr gelernt habe als ich es bisher realisiere – bei dieser einen Sache bin ich mir sicher: Ich habe viele Monate ohne banale Dinge wie heißes Wasser, Beautyartikel oder Elektrizität gelebt, auch ohne meine Familie, Freunde und andere Menschen, die mir wichtig sind. Erst jetzt habe ich diese „Banalitäten“ so richtig zu schätzen gelernt und ich denke (und hoffe!), dass diese Dinge nie wieder etwas Selbstverständliches für mich sein werden.



Doch es gibt auch Fragen, auf die ich nicht so einfach antworten kann. Wie war es? Wie geht es dir? Hat es dir gefallen? Ich würde gerne sagen:“War super schön, lief alles wie am Schnürchen und im Nachhinein war es noch tausend Mal besser als ich es mir vorgestellt hatte.“ Aber so einfach ist das nicht. Diese Reise war so faszinierend, emotional, anstrengend, kompliziert, atemberaubend, ja so komplex, dass ich auch jetzt, nach mehreren Wochen, noch nicht so richtig beschreiben kann was ich denke und fühle. Natürlich war es cool - ich habe so viel gesehen und erlebt, aber Afrika ist eben nicht nur Sonnenschein und Babyelefanten. Natürlich geht es mir gut - ich lebe ja noch, aber ich kann nicht behaupten, die Zeit und all die Erfahrungen wären spurlos an mir vorbeigegangen. Natürlich hat es mir gefallen - Afrika hat mich in seinen Bann gezogen, aber es gab auch Zeiten in denen ich es fast nicht mehr ausgehalten habe und ich am liebsten alles sofort abgebrochen hätte. Wenn ich jetzt daran denke, wie ich auf der Steintreppe auf Ludwigs Farm irgendwo mitten in Namibia saß, die Sonne mir meine Haut verbrannte und ich schwitzend und heulend meinen ersten richtigen Blogpost schrieb, bekomme ich eine Gänsehaut. Damals habe ich über meinen Mutausbruch geschrieben und davon erzählt, dass ich eigentlich alles abbrechen will. Wie froh ich jetzt im Nachhinein bin, dass ich das alles durchezogen habe! Und wie stolz!! Mein Mutausbruch war das Beste, was mir bisher passiert ist, mit all seinen schönen und schlimmen Momenten. Und jedem, der auch mal einen Mutausbruch hat und Zweifel bekommt, dem würde ich raten: Mach einfach. Augen zu, nicht so viel nachdenken, und durch. Vor allem, wenn es ums Reisen geht! Denn man kommt immer als ein Anderer zurück, egal wie man die Reise angetreten hat. Ich meine nicht, dass man sich vom Aussehen oder vom Charakter her total verändert, sondern es sind die kleinen Dinge, in denen man merkt, dass man doch ein bisschen reifer, dankbarer, weiser, selbstbewusster oder was-auch-immer geworden ist.



Ich versuche meine Emotionen schon seit Wochen zu ordnen, oder irgend ein Fazit zu finden, aber wie man sieht ist das für mich im Moment noch unmölich. Zum ersten Mal, seitdem ich für meinen Blog schreibe, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich muss stundenlang über eine Formulierung nachdenken, lösche den ganzen Text wieder und beginne dann nur, um mit dem Ergebnis wieder unzufrieden zu sein. Ich bin unfähig, diesen riesen Berg bestehend aus Gedanken, Erinnerungen und Erfahrungen in Worte zu fassen. Deshalb fällt das Fazit, von dem ich gerade gesprochen habe, wahrscheinlich ziemlich unbefriedigend aus. Das Fazit, das das bisher größte Abenteuer meines Lebens und die ganzen letzten Monate beschreiben soll. Das Fazit, das daran Schuld ist, dass dieser Blogpost der letzte meines Reiseblogs sein wird. Es ist die ganze Wahrheit und mir bleibt nichts anderes übrig, als dieses Fazit zu treffen:



LIEBES AFRIKA, MIR FEHLEN DIE WORTE.




Es war mir ein Fest.


Liebe Grüße

Eure Leni



Dienstag, 9. Mai 2017

#4 Liebes Afrika

Liebes Afrika,


ich melde mich heute aus Sansibar und ich denke das wird der letzte Brief sein, den ich an dich schreibe. Wie du weißt, sind unsere gemeinsamen Tage gezählt, was mich im Moment ein bisschen traurig macht. In den letzten Wochen hast du mir noch einmal gezeigt, wie kreativ und vielfältig du bist. Ähnlich wie damals in Namibia hast du auch hier in Tansania dafür gesorgt, dass sämtliche Pläne umgeschmissen werden und Platz machen für unerwartete, neue Erfahrungen. So durfte ich zwei Wochen in Mtwara verbringen, konnte einen Tag lang auf einem Fischerboot mitfahren, habe gelernt wie man Armbändchen selbst macht und wie der typisch tansanische Gin Konyagi schmeckt. Mtwara hat mir die Lebensweise der locals gezeigt und mich kurzzeitig fast zu einer richtigen Afrikanerin gemacht: Ich habe Ugali (traditionelle Maismehlspeiße) gekocht, fast ausschließlich mit den Händen gegessen, Bao (Brettspiel mit kleinen Samen oder Steinchen) gespielt, und Kokosnusswasser direkt aus der Kokosnuss geschlürft. Es hat sich fast so an gefühlt,  als wolltest du mir gegen Ende meiner Reise nochmal unbedingt ganz genau zeigen, was Afrika bedeutet. Oder wie sich Afrika anfühlt. Oder schmeckt. 



Nach Mtwara habe ich den dicken Kontinent zum ersten Mal seit einem halben Jahr verlassen und bin mit der Fähre nach Sansibar übergesetzt. Und als wäre ich wirklich auf einem anderen Kontinent und nicht nur auf einer kleinen Insel gelandet, fühlt sich das Leben auf Sansibar nicht mehr ganz so afrikanisch an: Es gibt Bars und Restaurants und große wunderschöne Hotelkomplexe aus Korallenstein. Es riecht überall nach Spice Coffee und Morgens um Fünf fängt der Muezzin an, seine Gebete zu singen. Die sehr islamisch geprägte Insel Sansibar ist nicht wirklich europäisch aber auch nicht sehr afrikanisch und bietet somit für mich die perfekte Plattform um mich von der einen Kultur wieder langsam an die andere Kultur zu gewöhnen,  ohne dass der Kulturschock allzu groß wird. Die Insel ist genau so, wie man es sich vorstellt: Die schönsten Strände der Welt reihen sich hier ohne Ausnahme aneinander und das einzige, das mich vom täglichen Baden im Meer abhält ist der unablässige Regen. Denn genau in den zwei Wochen, in denen ich auf Sansibar lebe ist natürlich Hauptregenzeit. War ja klar. 


Aber auch das, liebes Afrika, macht mir nicht so viel aus.  Ich bin so dankbar,  dass du dich mir so intensiv zeigst. Und auch, wenn ich das Gefühl habe, dass mein innerer Speicher langsam voll ist und ich einfach nicht mehr so viel Input aufnehmen kann, versuche ich zu genießen und all die Eindrücke trotzdem abzuspeichern.  Denn jetzt ist es wirklich nicht mehr lange bis ich mich vorerst von dir verabschieden muss. 


„I know now that is what you are, Africa: Happiness, contentment and fulfilment. And a small bird singing on a mango tree“ - John Wyllie. 


Danke, dass du mir das beigebracht hast.

In Liebe, 
deine Leni








Freitag, 14. April 2017

Veränderungen 2.0

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu erzählen… 

ICH WERDE BALD ZU HAUSE SEIN, EINEN MONAT FRÜHER ALS GEPLANT!!!!!! 

Hm… nein das ist irgendwie zu viel für den Anfang, diese Information soll ja schließlich der Hauptgrund für diesen Blogbeitrag sein. Ich sollte nicht gleich sofort mit der Türe ins Haus fallen. Wie wär es mit…

ICH DARF AUF DER INSEL SANSIBAR LEBEN!!!! 

Nein das ist schon wieder viel zu aufdringlich für den Anfang eines Blogposts! Vielleicht sollte ich erst einmal den ursprünglichen Plan beschreiben: Also geplant war, dass ich vier Monate auf einer Pferdefarm in Tansania arbeite, und dann Mitte Juni zurück nach Deutschland fliege. Arrangiert wurde das alles von einer Organisation, die Jugendliche an verschiedene Arbeitsstellen und Wohltätigkeitsorganisationen in mehreren afrikanischen Ländern vermittelt. Jetzt, tausend Stresssituationen und einige Wochen später sind für mich zwei Dinge klar geworden: 


1. Da es große Schwierigkeiten mit meiner Aufenthaltsgenehmigung gab und ich offiziell nur bis Mitte Mai in Tansania bleiben darf, und auch weil ich ehrlich gesagt langsam die Schnauze voll habe vom vielen Herumreisen, werde ich am 12.Mai nach Hause fliegen.


 2. Ich werde „meine“ Pferdefarm nach zwei Monaten verlassen und den restlichen April in Mtwara, einer kleinen Hafenstadt im Südosten Tansanias, verbringen. Anfang Mai geht es für mich dann auf die Trauminsel Sansibar, auf der ich die letzten Tage meiner Afrikareise hoffentlich ausgiebig genießen kann.  


Diese ganzen Planänderungen sind nicht ganz freiwillig entstanden. Trotzdem möchte ich jetzt nicht lang und breit erzählen was genau alles schief gegangen und passiert ist, das ist im Grunde genommen auch gar nicht so wichtig. Mir persönlich ist es jedoch sehr wichtig, dass ich meine Auslandszeit positiv beenden kann und dass ich im Nachhinein zufrieden auf die letzten Monate blicken kann. Und so, wie es jetzt aussieht, kann ich glaube ich sehr zuversichtlich sein. Mit einem Lächeln im Gesicht denke ich an den ersten  Blogpost namens „Veränderungen“, der vor ca. vier Monaten entstanden ist. Damals war ich ziemlich schockiert darüber, dass alle meine Pläne über den Haufen geworfen wurden, dass ich nicht die ganze Zeit in Namibia bei Ludwig bleiben kann, sondern zu irgendwelchen „Kirchners“ gehen muss. Hätte ich damals schon gewusst, was für eine tolle Zeit mich mit und bei diesen „Kirchners“ erwartet, wäre ich nur halb so nervös gewesen.

Und genau so versuche ich nun auch zu denken: Sei offen für das was kommt, lass dich einfach überraschen. Es wird schon alles gut laufen.


Ich hoffe ich kann mich bald wieder melden und dann erzählen, wie meine „Planänderung“ so läuft! 


Liebe Grüße und bis bald! 

Eure Leni 


Sonntag, 26. März 2017

Tansania: Vorstellung vs. Realität

Anfang Dezember postete ich den ersten Teil dieses „Vorstellung vs. Realität“- Formats. Wow. Anfang Dezember, das ist schon ganz schön lange her. So viel ist seitdem passiert! Ich habe schöne und schlimme Erfahrungen gemacht, hab gelacht und geweint, habe 5 verschiedene Länder bereist, Menschen kennen gelernt, einfach so viel erlebt. Selbst hier in Tansania ist schon wieder fast die Hälfte der Zeit um. Die Zeit fliegt, und doch kommt der Tag meiner Heimreise irgendwie nur sehr schleppend näher. Wie damals in Namibia, möchte ich auch heute eine kleine Bilanz ziehen, und meine Vorstellungen mit der Realität vergleichen. 

Vorstellung 1: Ich werde ganz in der Nähe der Hauptstadt Daressalam leben. Das wird super, da kann ich mich jedes Wochenende mit anderen Praktikanten treffen, essen gehen, ausgiebig shoppen und die moderne Stadt erkunden.


Realität 1: Ich bin davon ausgegangen, Daressalam wäre eine richtige Großstadt, so wie Windhuk oder Johannesburg. Ja, Daressalam ist groß und nebenbei auch die am schnellsten wachsende Stadt in ganz Afrika. Aber irgendwelche westlichen Einflüsse wie Hochhäuser oder Fußgängerzonen oder selbst normale Supermärkte findet man erst, wenn man sich stundenlang auf überfüllten Lehmstraßen durch die Slums wühlt. Ich würde sagen, diese Stadt besteht zu 99% aus Slums. Vielleicht stimmt das nicht ganz und vielleicht hat Daressalam auch eine westliche Seite, die habe ich aber bis jetzt in 6 Wochen Aufenthalt noch kein einziges Mal gesehen. Keiner spricht Englisch, Hauptfortbewegungsmittel ist das Bajaji  (motorisiertes Dreirad), auf der Straße sieht man Millionen Menschen,  die über der Feuerstelle kochen, Hühner schlachten, schimmeligen Fisch verkaufen, ihre Kinder verprügeln, Bananen und Ananas verkaufen, tanzen und singen, alles auf einmal. Es ist laut, heiß, stickig, es riecht nach Wassermelone und Urin, man sieht Frauen in wunderschönen Kleidern und kranke Verkrüppelte am Boden kriechen. Ich dachte ja eigentlich, ich wäre mittlerweile schon einiges gewöhnt, aber die erste Fahrt durch Daressalam war einfach zu viel für mich. Und so konnte ich mich auch ganz schnell von meinen Träumen von wegen essen gehen, shoppen etc. verabschieden. Daressalam ist viiiiel zu afrikanisch, um irgendwelchen europäischen Vorstellungen zu entsprechen.

 
Vorstellung 2: Oh je, von Februar bis Mai ist Regenzeit in Tansania. Das ist schade, lässt sich aber nicht ändern. 


Realität 2: ZUM GLÜCK IST REGENZEIT!!!! Ich weiß nicht, wie die Menschen es hier aushalten, wenn es nicht ab und zu regnet. Regen gehört für mich neben Schokolade und Getränken mit Kohlensäure zum absoluten Luxus. Im Moment ist noch eher Anfang der Regenzeit und alle warnen mich schon immer vor, dass ich den Regen bald nicht mehr sehen kann, wenn die Regenzeit richtig loslegt, und alles unter Wasser setzt. Aber das ist mir egal. Es gibt nichts schöneres, als bei Regen im warmen Indischen Ozean zu schwimmen! Give me more rain!!!! 


Wunderschöne Regenwolken

Vorstellung 3: Die Pferde sind bestimmt alle super geeignet für Amateur-Reiter wie mich. Wenn sogar wildfremde Touristen, die in ihrem Leben noch nie auf einem Pferd saßen, am Strand entlang reiten können, werde ich das doch locker schaffen! 


Realität 3: Ha. Ha. Sagt Leni, die gerade zum vierten  Mal von ihrem Pferd unsanft aus dem Sattel befördert wurde.

Nein, ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Aber zu glauben,  alle Pferde wären hier zahm wie die Lämmer, war unglaublich naiv von mir. Vor allem, weil sich meine Chefin in den Kopf gesetzt hat, ich sollte genau die Pferde trainieren, auf die man keine Kunden setzen kann. Und damit meint sie zum Beispiel „Mpenzi“ (das ist Swahili für: Liebling, Charmeur), einen dreijährigen Vollbluthengst, der noch nie richtig trainiert wurde. Ja Mpenzi, wirklich sehr charmant von dir, dass du mich vor allen anderen lächerlich machst, weil du dich stur wie ein Esel seit einer halben Stunde nicht mehr von der Stelle bewegst! Ich müsste dann langsam mal auf Toilette!! 


Vorstellung 4: Ich habe mich damit abgefunden, keinen intensiven Kontakt mit den Arbeitern zu haben. Das war ja bisher in Namibia auch überall so. 


Realität 4: Zum Glück falsch! Endlich habe ich mal die Chance, richtige „locals“ kennen zu lernen! Die Tansanier sind unglaublich offen und freuen sich über jeden, der den Kontakt zu ihnen sucht. Durch die Zusammenarbeit im Stall und bei den Pferden verbringe ich sogar mehr Zeit mit den Arbeitern als mit den Farmern und darüber bin ich so froh! Es ist egal, dass wir nicht die gleiche Sprache sprechen,  dass unsere Hautfarbe verschieden ist, dass wir aus völlig unterschiedlichen Kulturen stammen (die Meisten sind hier übrigens Muslime, es gibt aber auch noch viele traditionell lebende Familien wie z.B. Massai). Wir lachen uns trotzdem gegenseitig aus, wenn jemand in Pferdeäpfel tritt, helfen uns trotzdem gegenseitig beim Aufsteigen aufs Pferd, regen uns trotzdem manchmal über die cholerischen Anfälle unserer Chefs auf. Die locals haben mich zu sich nach Hause und zum Essen eingeladen,  haben mir gezeigt wie man den traditionellen Maisbrei und  Bohnen mit den Händen isst (was wirklich gar nicht so einfach ist!), haben ganz stolz ihre selbstgemachte gesäuerte Milch mit mir geteilt (die wirklich widerlich war, aber egal: Becher austrinken, versuchen, das Gesicht nicht zu verziehen, versuchen, rüberzubringen, dass das totaaaaaal lecker war). Ohne die locals wäre meine Zeit hier nur halb so schön. Es ist so einfach, sich von ihrer afrikanischen Lebensfreude anstecken zu lassen.



Ich habe jetzt lange überlegt, was ich als Abschlussworte für diesen Post schreiben könnte. Aber die wichtigsten Worte, die meine Realität hier in Tansania beschreiben, habe ich gerade eben schon mal formuliert: Ohne die locals wäre mein Aufenthalt nur halb so schön. Es ist so einfach und es tut so gut, sich von ihrer afrikanischen Lebensfreude anstecken zu lassen!

Ganz liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,


Eure Leni 

Mittwoch, 8. März 2017

Halbzeitgefühle


Ich melde mich zurück aus Tansania! Ich habe wohl eine Weile gebraucht, um die ganzen Eindrücke und Gefühle an diesem neuen Ort in Worte fassen zu können, und kann jetzt hoffentlich einigermaßen verständlich rüberbringen, wie es mir geht. 
Also zuerst einmal: Ich lebe in einem Paradies, ungefähr 30 km außerhalb der Hauptstadt Daressalam! Es ist wirklich so, wie man es aus dem Reisekatalog kennt. Jeden Tag Sonne, jeden Tag Temperaturen zwischen 30°C und 35°C, weißer Sandstrand, Palmen, an denen Kokosnüsse hängen, kleine Fischerboote aus Holz, die beim Sonnenaufgang aufs Meer hinaus fahren. Äffchen, die einen rund um die Uhr neugierig beobachten, rote Krebse die schnell weg rennen, wenn man in ihre Nähe kommt, mit einem Pferd durchs warme Wasser galoppieren. Ich dachte bisher, solche Orte existieren nur im Film und ich bin unendlich glücklich, dass ich so etwas mit meinen eigenen Augen genießen darf. 
Aber es gibt einen kleinen Unterschied zwischen „im Paradies leben“ und „sich so fühlen, als ob man im Paradies lebt“. Was ich damit sagen will, ist, dass ich pünktlich zur Halbzeit (sogar schon ein bisschen mehr als Halbzeit!) eine kleine Krise schiebe. Was bringt mir das Meer, wenn ich dort alleine baden muss? Was bringt mir der Sandstrand, wenn ich dort mit niemandem liegen kann? Was bringen mir frische Kokosnüsse, Bananen und Ananas, wenn keiner da ist mit dem ich um das letzte Stück streiten kann? Ich bin einsam. Ich habe keine Lust mehr auf Sonne und Hitze, auf Moskitos, auf neue Menschen und neue Erfahrungen. Ich möchte endlich mal wieder frieren, möchte eine Decke über meinen Kopf legen und dann ganz lange nichts sehen, nichts hören. DAS wäre gerade mein richtiges Paradies. Und vor allem möchte ich wieder jemanden bei mir haben, den ich schon lange kenne und dem ich vertrauen kann. Die Familie, bei der ich hier in Tansania lebe ist ganz nett, aber es ist einfach unglaublich anstrengend, für so eine lange Zeit mit Fremden zu leben. Ich arbeite hier jeden Tag mit ca. 20 Pferden, kann sie füttern und putzen, natürlich ganz viel Reiten und mich ab und zu um Gäste kümmern, die einen Ausritt am Strand oder durch den Busch gebucht haben. Die Arbeit macht mir zwar sehr Spaß, ist aber bei dieser Hitze auch unglaublich anstrengend. Und wie gesagt, es ist wirklich sehr nervenaufreibend, rund um die Uhr völlig alleine unter fremden Menschen zu leben. Das war zwar in Namibia anfangs auch so, aber da habe ich zum Glück mit der Zeit Menschen kennen gelernt, zu denen ich eine persönliche Bindung aufgebaut habe. Ich bin zwar erst knapp zwei Wochen hier und weiß ja nicht, wie sich das alles noch in den nächsten Monaten entwickeln wird, aber im Moment ist mein Leben sehr eintönig und einsam. Jeden Tag um 6 aufstehen, alleine eine Tasse Kaffee trinken. Alleine die Pferde füttern, Wunden säubern, putzen. Alleine Bananen essen. Alleine ausreiten. Wenn ich Glück habe, kommt einer der Arbeiter mit, aber die können alle nur wenig Englisch sondern nur Swahili. Abends wieder die Pferde versorgen und dann mit Menschen an einem Tisch sitzen, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, und auch nicht so richtig an mir interessiert sind, weil ich ja nur Praktikantin Nummer 215 bin. 
Viele sagen zu mir, ich soll mich doch nicht so anstellen und das alles genießen soll weil die Zeit hier wahrscheinlich schon schneller wieder vorbei ist als ich denke. Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte absolut nicht undankbar sein und ich bin mir auch sicher, dass ich mich schnell genug wieder nach Tansania sehnen werde. Aber ich bin gerade an einem Punkt an dem mich alles nervt, alles blöd finde und an dem ich keinen Bock mehr hab, zu genießen. Ich kann einfach nicht mehr genießen. Das wiederum nervt mich extrem, weil wo sollte ich jemals besser genießen können als hier? Es ist wirklich verdammt anstrengend. ICH bin verdammt anstrengend. Willkommen in meiner „Mid-Africa-Crisis“… 
Ich hoffe wirklich, dass sich das ein bisschen geändert hat, wenn ich mich das nächste Mal melden kann.
Bis dahin, liebe Grüße! 

Eure Leni 

Mittwoch, 15. Februar 2017

Kapitel 2


Südafrika ist im Vergleich zu Namibia eine komplett andere Welt. Während man in Namibia im Nichts landet und der Windhuker Flughafen aussieht wie eine zu groß geratene Eingeborenenhütte, fühlt man sich in Kapstadt sofort heimisch, weil einen alles an Deutschland erinnert: Tausend Gänge,  überall Menschen, Trubel und Stress. Die komplette Reizüberflutung für mich, nach vielen Wochen absoluter Ruhe. Zu viele Stimmen, zu viele Gerüche, laute Geräusche, von denen ich sofort Kopfweh bekommen habe. Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, war ich auch noch extrem nervös, Robin wieder zu sehen. Der erste Moment fühlte sich so an: Oh man, du existierst ja wirklich? Du bist nicht nur eine Person aus einer anderen Galaxie die mir ab und zu Briefe und SMS schreibt? Meine Freunde haben mich noch nicht vergessen? Und wow, Deutschland steht noch?! Das klingt sehr übertrieben, aber es war wirklich unfassbar verwirrend für mich. Drei Monate sind eigentlich schon eine verdammt lange Zeit. Aber genauso verwirrend war, wie schnell ich mich wieder an alles gewöhnt habe. Nach einem Tag in Kapstadt haben mir die vielen Reize gar nichts mehr ausgemacht und auch mit Robin war es, als ob er nie weggewesen wäre. 
Kapstadt ist unglaublich. Unglaublich europäisch, irgendwie. Die Wohnung, die wir uns über Airbnb gemietet haben, war für mich der pure Luxus. Statt dem guten alten Holzherd gab es Elektrokochplatten, statt dem selbstgebauten Kühlhaus wieder einen richtigen Kühlschrank, statt mir mein Bett mit Käfern und Moskitos zu teilen, hatte ich endlich wieder Ruhe. Naja fast zumindest, Robin war ja auch noch da. Aber der nervt mich wenigstens nicht so extrem wie diese Insekten… :) Die Woche im Zentrum der Stadt fühlte sich an wie im Film. Wir waren wandern auf dem Tafelberg, hatten Surfstunden gemeinsam mit Seerobben, und schauten uns den Sonnenuntergang vom Gipfel des Lions Head an. Wir testeten sämtliche Bars und Restaurants an der Long Street und machten Selfies mit Pinguinen. Das volle Touriprogramm also. Nach sieben Nächten in Kapstadt wurden wir dann plötzlich von den absoluten Touristen zu absoluten Einheimischen, als wir nach einer kurzen Autofahrt im nahe gelegenen Scarborough landeten. In unserer neuen Unterkunft in Scarborough wurden wir von zwei jungen Surfern begrüßt, als würden wir uns schon ewig kennen. Das ganze Haus ist voll von Backpackern, und man lebt eigentlich eher in einer WG als in einem Hotel. Schon nach kurzer Zeit in diesem Haus hatten wir neue Bekannte und  Freunde, bekamen wertvolle Tipps über die Sehenswürdigkeiten in der Gegend, und lernten Dinge über Südafrika, die in keinem Reiseführer stehen. Und vielleicht auch in keinem Reiseführer stehen sollten… 
Die Menschen haben mich mal wieder völlig geflasht mit ihrer grenzenlosen Offenherzigkeit und Großzügigkeit. Ohne Einschränkungen fanden wir unseren Platz abends am Lagerfeuer, wurden in die Gespräche mit eingebunden, bekamen Einladungen zum Surfen oder mit den anderen auf das nächste Openairkonzert zu gehen. Ich glaube es gehört einfach grundsätzlich zur afrikanischen Lebensweise, vorurteilsfrei und fremdenfreundlich zu sein. 
Kapitel 2 meines Reisebuchs ist somit nun auch schon fast wieder vorbei. Ich glaube, ich nenne es „Wie Leni merkt, dass ihr Leben in Deutschland doch noch existiert“. Wie sie merkt, dass ihr Leben nicht nur aus dem Farmleben in Namibia besteht. Und das ist auch gut so! Denn es geht weiter, und zwar ziemlich rasant: Morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen und mich in den nächsten und letzten Abschnitt meiner Reise stürzen. Tansania wartet und ich bin unendlich gespannt, was dort alles auf mich zukommt. Die Hälfte meiner Auslandszeit ist nun fast um, und bisher wurden all meine Erwartungen mehr als übertroffen. Ich habe das Gefühl, irgendwas oder irgendjemand sorgt ständig dafür, dass ich nur tolle Dinge erleben darf und dass ich hier die schönste Zeit meines Leben haben kann. Mein Schicksal ist ne ziemlich coole Socke. Und deshalb freue ich mich auch sooo auf Tansania. Ich weiß, es wird richtig gut werden. 

Bis zum nächsten Mal, ich hoffe ich kann mich aus Tansania schnell melden.

Ganz liebe Grüße, auch von Robin :)
Eure Leni


Bild 1 umd 2: Wandern am Kap der guten Hoffnung

Bild 3: Auf dem Tafelberg steht jetzt ein von uns selbst gebauter Steinturm :)

Mittwoch, 1. Februar 2017

#3 Liebes Afrika


Ich stelle mir meine Reise mit dir wie ein Buch vor. Kapitel 1 heißt "Wie Leni ihr Herz an Namibia verliert". Dieses Kapitel endet damit, dass ich mich in Namibia verliebt habe, und eigentlich für immer hier bleiben möchte. Und damit, dass ich heulend am Flughafen stehe und ein letztes Mal namibischen Boden unter mir spüre. Und genau an diesem Punkt bin ich jetzt gerade.

Heute ist mein letzter Tag in Namibia, morgen werde ich schon in Südafrika sein, deinem südlichsten Land. Natürlich freue ich mich sehr auf das nächste Kapitel, und bin schon sehr gespannt, was du mir darin alles zeigen und beibringen wirst. Trotzdem fällt es mir verdammt schwer, mich zu verabschieden. Gerade jetzt merke ich, was für eine wunderschöne Zeit ich erlebt habe und wie glücklich ich hier gewesen bin. Ich habe Menschen kennen gelernt, die mir unendlich wichtig sind, denen ich all meine tollen Erfahrungen zu verdanken habe, und die für mich im Laufe der Zeit zur Familie geworden sind. Meine namibische Familie eben. Diese Meschen haben mich so herzlich bei sich aufgenommen und mir 'ihr' Namibia gezeigt, sodass ich eigentlich gar keine andere Wahl hatte, als mich in dieses Land zu verlieben. Liebes Afrika, du hast deinen Bewohnern gezeigt, wie man das Leben genießt: Das leckere Frühstück morgens, diverse Farmrundfahrten hinten auf der Ladefläche des Pick-ups, den alltäglichen "Sundowner", bei dem sich alle treffen und den Sonnenuntergang angucken, leckeres Abendessen und tolle Gespräche, die unvergessliche Zeit im Caprivi-Streifen, in Botswana und Simbabwe, einen atemberaubenden Tag im Etosha Nationalpark... Das alles und noch vieles mehr habe ich ganz tief in meinem Herzen gespeichert und da wird es für immer bleiben. 
Meine Erwartungen waren nicht sehr hoch, als ich in Namibia gelandet bin. Eigentlich dachte ich ja, ich würde außer Grootfontein nicht viel vom Land sehen. Und jetzt?! Ich war in Namutoni, in Rundu, in Katima Mulilo, habe den Etosha - und den Bwabwata National Park gesehen, habe  zwei neue Stempel in meinem Reisepass, konnte Giraffen, Zebras, Elefanten, Gnus, Nilpferde, Hyänen, Schakale, Krokodile und tausende Antilopen aus der Nähe betrachten und durfte sogar die berühmten Regenbögen an den Viktoriafällen bewundern. 
Natürlich war nicht immer alles "Friede-Freude-Eierkuchen", ich war oft fix und fertig und wollte einfach nur noch nach Hause. Du hast mir sehr oft gezeigt, wie anstrengend du sein kannst! Ich hatte keine Lust mehr auf diese Hitze, und die heftigen Gewitter, auf  Insekten in meinem Bett und auf Piss-Motten (die ihrem Namen leider sehr gerecht werden!), auf völlige Isolation zur Außenwelt, auf gruselige Nächte und scharfes Essen. Aber immer dann, wenn es mir wirklich schlecht ging, war jemand für mich da. Egal, ob dieser "Jemand" ein Hund war, der gestreichelt werden wollte, oder einer der Kirchners, der mir zugehört und mich in den Arm genommen hat.
Ich bin sooo dankbar, dass ich durch einen eher unglücklichen Zufall auf Kirchners Farm gelandet bin und ich bin mir sicher, dass ich mich nicht für immer von dieser Familie verabschiedet habe. Am liebsten würde ich direkt nach meinem Praktikum in Tansania wieder nach Namibia fliegen. Aber ich weiß ja, dass das nicht geht - das Leben kann nicht immer nur aus Urlaub, Sonne und Guavensaft bestehen. Und das ist auch gut so! Aber ich lebe nun schon 3 Monate mit dir, und ich muss sagen: Du hast mich ganz tief berührt. Du bist genau das, was ich gebraucht habe. Ich bin so gottfroh, dass ich mich für dich entschieden habe und dass du mich so wohlwollend bei dir aufgenommen hast. 

Meine Freundin, bei der ich für drei Tage in Windhuk gelebt habe, sagte zu mir:"Leni, Willkommen im Club der Infizierten eines Virus namens Afrika". Und das stimmt. Liebes Afrika, du bist nicht nur ein Kontinent, sondern du bist ein Virus, der einen von Kopf bis Fuß auffrisst, der ein ganzes Herz für sich in Anspruch nimmt. Diesen Virus werde ich wohl nie wieder los werden. Aber im Moment muss ich das ja auch gar nicht, meine Reise geht weiter, ein neues Kapitel fängt an. Ich habe noch ein paar Monate Zeit, mich noch intensiver von dir anstecken zu lassen.
Ich freue mich darauf!

Liebe Grüße,

Deine Leni







Montag, 30. Januar 2017

Leni auf Koukas


"Koukas" ist buschmännisch und bedeutet "Fischpfanne". So heißt der Ort auf dem ich in der zweiten Hälfte meines Namibiaaufenthalts lebe. Na toll, dachte ich mir, als ich das zum ersten Mal hörte. Fischpfanne?? Klingt irgendwie nicht so einladend... Der Name kommt von dem großen ausgetrockneten See, also einer Pfanne, die direkt vor dem Haupthaus liegt und nur nach extremen Regenfällen mit Wasser gefüllt ist - so lautete die Erklärung. Also doch kein Fischgestank, puh war ich froh! 
"Koukas" ist ein kleines Paradies. Es gibt Palmen, Blumen, ein zahmes Böckchen, kleine Eichhörnchen, Elektrizität und vor allem: WARMES WASSER! Jeden Morgen stehe ich um 6:00 Uhr (!) auf, nehme voller Dankbarkeit erstmal eine warme Dusche und mache mich dann an meine täglichen Pflichten: Papageien füttern, einem Lämmchen mit der Flasche Milch geben, die Hunde beschäftigen, Unkraut jäten, den Hof harken und so weiter. In der Mittagszeit, wenn es einfach zu heiß zum Arbeiten ist, setze ich mich mit einem Buch in den Schatten und genieße die Ruhe. Und ruhig ist es hier auf jeden Fall!  Ich habe noch weniger die Chance, in die Stadt zu kommen, als auf der ersten Farm, denn Kirchners zögern es immer bis zum letzten Tag heraus, in die Stadt zu gehen, weil keiner Lust auf den Trubel und die vielen Menschen hat. Erst wenn die Speisekammer wirklich leer ist, erbarmt sich jemand und nimmt den langen Weg (85 km auf Schotterstraße!) auf sich. Und ich muss sagen, auch ich reiße mich nicht mehr darum, unter Menschen zu kommen oder Handynetz zu haben. Mittlerweile habe ich diese Abgeschiedenheit zu schätzen gelernt. Wie auch auf Ludwigs Farm bin ich hier manchmal sehr einsam. Trotzdem macht es einen riesigen Unterschied, ob der Farmer nur zeitweise auf der Farm ist, so wie Ludwig, oder ob er sein ganzes Leben auf der Farm verbringt, so wie die Kirchners. Alles ist irgendwie gemütlicher, wohnlicher und naja, irgendwie "echt". Ich fühle mich hier richtig heimisch und vergesse manchmal komplett, dass das nur ein kurzer Abschnitt meines Lebens ist, und dass mein echtes Leben zu Hause in Deutschland auf mich wartet. Die Menschen gehen mit mir um, als wäre ich schon immer da und würde für immer bleiben. 
Leider sind meine Tage auf Koukas gezählt, denn bald verlasse ich Namibia und reise weiter nach Südafrika. Dennoch bin ich unglaublich dankbar, dass mich der Zufall, das Schicksal oder was auch immer hier auf diese Farm geführt hat und dass ich hier ein paar wunderschöne Wochen verbringen durfte. Die Zeit hier hat mir nochmal eine ganz neue Seite von Namibia gezeigt und ich bin mir ganz ganz sicher, dass das nicht mein letzter Besuch von Namibia war. Ich habe zwar viel mehr von Land gesehen, als erwartet, aber es gibt noch tausende Plätze, die ich mir irgendwann unbedingt noch angucken möchte. 
Trotzdem freue ich mich total auf Kapstadt, auf zwei Wochen Urlaub mit Robin an meiner Seite. Ich bin so aufgeregt, jemanden aus meinem "richtigen Leben" zu sehen! Seit schon fast drei Monaten habe ich immer nur fremde Menschen um mich, und ich bin gottfroh, wenn ich mal wieder jemanden bei mir habe, der mich kennt. 

Also, ich werde mich dann wieder aus Kapstadt melden, liebe Grüße und bis bald!
Eure Leni

Montag, 23. Januar 2017

Weihnachten und Silvester 2016/2017


Zuerst einmal: Ja, ich lebe noch. Sorry,  dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Gewisse Blitzeinschläge haben mein Laptop zerstört und gewisse Internetcafés verlangen so verdammt viel Geld von mir, dass es mir unmöglich war, einen neuen Blogpost hochzuladen. Jetzt bin ich natürlich sehr spät dran, aber vielleicht interessiert sich ja doch noch jemand dafür, wie ich mein erstes Weihnachten weit weg von zu Hause gefeiert habe. Ich bete und hoffe, dass in Zukunft keine so langen Pausen mehr  zwischen den Blogposts entstehen. 

Dass ein Roadtrip geplant war, davon hab ich ja schon erzählt. Ich hatte jedoch keine Ahnung wohin genau, wann genau, mit wem überhaupt und was wir eigentlich genau machen. Ich wollte auch gar nicht groß nachfragen, ich ließ mich einfach überraschen. Und so starteten vier namibisch-deutsche Jungs, eine Australierin und ich am 23.12. unseren Trip Richtung Norden. Sechs Menschen, zwei Autos, ein Spanferkel und unendlich viel Bier. Die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir auf einer Jagdfarm in Namibia kurz vor der Grenze zu Angola am Kwando River. Hier hatte ich meine erste Begegnung mit einem Nilpferd. (Es griff uns an und rammte unser Boot, als wir am Heiligabend zum Sonnenuntergang noch eine kleine Bootsfahrt machten. Als uns später klar war, wie gefährlich die Situation eigentlich war, verging uns das Lachen!) Heiligabend wurde mit einem kühlen Bier bei 35 Grad im Schatten, dem Spanferkel und einem dekorierten Palmzweig gefeiert. Leider sind uns die Lebkuchen am Zweig geschmolzen, bevor wir sie überhaupt probieren konnten... Wir hatten einen besonderen Abend, zwar nicht wirklich weihnachtlich aber doch irgendwie total schön. Mein Heimweh hielt sich in Grenzen, allerdings sind dann schon ein paar Tränchen geflossen, als mich Nachrichten von zu Hause erreicht haben. Das schönste Weihnachtsgeschenk überhaupt hat mir die Familie meines Freundes gemacht, indem sie mir ein total süßes selbstgedrehtes Video geschickt haben. (Auch wenn es Robin mega peinlich war: DANKE an euch alle! Ich hab mich so gefreut!!)  


Nach 5 Tagen auf der Jagdfarm, die wir hauptsächlich UNO zockend, Bier trinkend und grillend verbracht haben, ging es dann am 28.12. weiter nach Botswana. Dort haben wir aber nur eine Nacht gecampt, um dann pünktlich zum Beginn des "Vicfalls Carnival" am 29.12. in Simbabwe an den Viktoriafällen zu sein. Das dreitägige Festival ist die größte Silvesterfeier Afrikas. Niemals hätte ich gedacht, dass in meiner Namibiazeit, die ja eigentlich für Ruhe, Stille und Einsamkeit stand, Party machen angesagt war! Und drei Tage lang nahm die Party irgendwie kein Ende: Wildwasserrafting auf dem Zambezi River, Besichtigung der Viktoriafälle, "Secret Bush Party" (mit einem Retro-Zug wurde die ganze Festivalmeute an einen geheimen Platz mitten im Busch gefahren, am dem dann eine  Party stattfand), und schließlich das große Finale am Silvesterabend, wo uns verschiedene Bands ins neue Jahr begleiteten. Was soll ich sagen, es war bombastisch. Und bombastisch anstrengend. Aber in diesen drei Tagen hab ich so viel erlebt, wie sonst in einem halben Jahr nicht. Ich war überfordert, glücklich, melancholisch, sprachlos, kraftlos, hyperaktiv, mit Adrenalin vollgepumpt, müde, überwältigt, aufgeregt, entspannt - alles auf einmal. Innerhalb von drei Tagen habe ich Menschen von allen Kontinenten kennengelernt, habe Einladungen für London, Sydney, New York und Timbuktu bekommen, und kann ein "Frohes neues Jahr" auf 25 verschiedenen Sprachen wünschen. Es war die absolute Reizüberflutung und das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens. Dieses Silvester werde ich niemals vergessen. 

Am 02.01. ging es dann wieder "nach Hause" auf die Farm bei Grootfontein. Hier fühle ich mich schon fast heimisch, habe meine täglichen Pflichten und Aufgaben. Ich habe bisher ja noch gar nicht erzählt, wie ich auf dieser Farm, auf der ich ja eher zufällig gelandet bin, lebe. Da aber sonst dieser Blogpost schon wieder zu lang werden würde, erzähle ich im nächsten Post davon. 

Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start ins neue Jahr. Am Silvesterabend hab ich an euch alle gedacht und euch innerlich gedrückt, und zwar um 23 Uhr (wegen der Zeitverschiebung!), als bei uns noch nichts los war und bei euch das neue Jahr schon angefangen hat. 


Liebe Grüße und bis (hoffentlich) ganz bald! 

Eure Leni