Samstag, 31. Dezember 2016

Es war einmal...


Es war einmal eine verzweifelte Schülerin, die mit den Entscheidungen bezüglich ihrer Zukunft völlig überfordert war. Sie suchte nach passenden Berufen, Ausbildungsplätzen oder Studiengängen, doch nichts schien ihr wirklich zu gefallen. Das Abitur rückte näher, und somit auch der Termin, an dem sie wissen musste, was sie später werden wollte. Doch noch immer hatte die Schülerin keine Entscheidung getroffen. Aus Angst, den falschen Weg zu wählen, versuchte sie Zeit zu schinden, aber wie sollte sie das machen? Da kam ihr die rettende Idee: Sie wollte ein Jahr lang ins Ausland, um etwas von der Welt zu sehen, und um noch ein bisschen mehr Zeit zu haben, bis sie sich schlussendlich für einen Beruf entscheiden musste. Sie hoffte, auf ihrer Reise einen Moment der Erleuchtung zu haben, um dann nach diesem Jahr zielstrebig eine berufliche Karriere starten zu können...
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute. Arbeits- und ahnungslos. Auf einer Rinderfarm, mitten auf dem afrikanischen Kontinent und stopft sich mit Fettcookies voll.

So oder so ähnlich kam ich dazu, mir eine Aus(lands)zeit zu genehmigen. Klingt ziemlich banal und unromantisch, ich weiß. So lang weg zu gehen, nur weil ich Schiss davor habe, mich für einen Beruf zu entscheiden?! Ja, das war ein Grund, aber natürlich nicht der Einzige. Schon seit mehreren Monaten beschäftige ich mich intensiv mit verschiedenen Berufen aber irgendwie finde ich an allem etwas auszusetzen. Das Eine ist mir zu stressig, das Andere zu langweilig, und für das Dritte bringe ich nicht genug Mut auf. Der eine Beruf lässt nicht zu, das ich später eine Familie gründen kann, der andere macht mich sofort zum Hausmütterchen, das ich nicht sein will. Es ist nervenaufreibend. Ich kann gar nicht so richtig erklären, warum ich mich selbst wegen dieser Zukunftsfrage so unter Druck setze, aber im Grunde genommen ist es ganz einfach: Ich habe Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen und dann in zehn Jahren zu merken, dass ich in meinem Beruf nicht glücklich bin. Vielleicht bin ich naiv, zu glauben, dass es irgendwann auf meiner Reise „Pling!“ macht, und ich mir dann sicher bin, welchen beruflichen Weg ich gehen will. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, und selbst wenn ich vergeblich auf das „Pling!“ warte, so bin ich mir doch ziemlich sicher, dass ich mich nach den 8 Monaten in Afrika ein bisschen besser kennen gelernt habe und es mir hoffentlich leichter fällt, so eine wichtige Entscheidung zu treffen.
„Schuld“ an meiner Auslandszeit ist aber nicht nur die Angst, einen Beruf zu finden, sondern zum Beispiel auch meine großen Geschwister, die mir alle, jeder auf seine Art und Weise große Vorbilder sind und mich mit ihren teils verrückten Reisen (ein Jahr Südamerika, monatelang durch Namibia und Südafrika, im Winter mit dem Zelt nach Island, Backpacken in Israel, den Jakobsweg gehen) angesteckt haben. Gerade in der Prüfungszeit hat mich das Fernweh gepackt, aber so richtig! Und niemand hat mich daran gehindert, mein Reisefieber in die Tat umzusetzen - weder meine Eltern, noch meine Freunde, noch mein Liebster. Im Gegenteil, ich habe so viel Unterstützung bekommen, dass mir irgendwann gar nichts anderes mehr übrig blieb, als meine Pläne durchzuziehen.
Im Nachhinein stelle ich verwundert fest, dass es nie den einen Moment gab, in dem ich mich für diese Reise entschieden habe. „Nur mal um zu gucken“ habe ich im Internet gesurft und mich bei Bekannten umgehört, aus Kanada wurde Afrika als Ziel, und plötzlich hatte ich die Telefonnummer von Ludwig, seine Zusage, das OK vom Pferdehof in Tansania und sämtliche Flüge in der Tasche. Und dann wurde mir klar: Okay, jetzt musst du es wirklich machen. Das klingt jetzt alles so willkürlich und mühelos, was es natürlich nicht war! Ich habe Monate gebraucht, um alle Dokumente, Impfungen, finanzielle Dinge usw. zu organisieren, bin von A nach B gerannt, habe mir Geld dazuverdient und tausend weitere Sachen erledigt. Aber wie gesagt, im Nachhinein kommt es mir so vor, als wär alles so dahingeplätschert ohne dass ich wirklich realisiert habe, dass ich da gerade die nächsten Monate meines Lebens verplane.

Nun bin ich hier, mittendrin in meinem Abenteuer, genieße jeden Moment und danke mir selbst und meiner Familie, meinen Freunden, dass ich in diese Reise „hineingerutscht“ bin. Und was meine Berufsfindung angeht, najaa...wenn es ganz still ist spitze ich vorsichtshalber meine Ohren, damit ich das „Pling!“, falls es je kommen sollte, nicht überhören kann. :)

Ganz liebe Grüße, und falls jemand Berufsempfehlungen hat, immer her damit!

Eure Leni


Freitag, 23. Dezember 2016

Heimweh

Pünktlich zu Weihnachten meldet es sich wieder – das Heimweh.
Bisher, also bis vor meiner Afrikareise, hatte ich nicht allzu viel mit Heimweh am Hut. Obwohl ich schon öfters ohne Mama oder Papa unterwegs war, hatte ich nie das Gefühl, jemanden zu vermissen oder nach Hause zu wollen – es war ja trotzdem immer jemand da, dem ich vertraut habe, meine Oma, meine beste Freundin oder wer auch immer.
Hier, eine halbe Welt von sämtlichen Vertrauenspersonen entfernt, sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Vor allem die erste Woche auf der Rinderfarm war hart. Sehr hart. Die ersten paar Stunden, als ich völlig erschöpft vom Verabschieden und übermüdet vom Flug meinen Koffer ausgepackt habe, hatte ich einen fetten Klos im Hals und mir sind die Tränen einfach aus den Augen gelaufen, ich konnte absolut nichts dagegen machen. Ich hab mich geschämt, weil ich mir so kindisch vorkam und außerdem war ich ja erst 12 Stunden von meinem Zuhause weg. Diese Seite an mir kannte ich eigentlich bisher nicht und trotzdem erwischte ich mich dabei, wie ich jeden Abend einen Tag in meinem Kalender durchgestrichen und sehnsüchtig auf mein Rückreisedatum geschaut habe. Nur noch 216 Tage. Nur noch 215 Tage. Oh Gott, bis dahin werde ich eingegangen sein! Das erste kurze Telefonat mit Mama nach meiner Ankunft war ein einziges Geheule – mitten in einem Restaurant, wo mich alle irritiert angestarrt haben. Es hätte mir eigentlich peinlich sein sollen, aber in dem Moment war mir das scheißegal, ich wollte zu Mama und mich von ihr betüddeln lassen, wie eine Fünfjährige. Noch schlimmer wurde es, als ich mich wenige Tage nach meiner Ankunft nach einem Gewitter erkältete und morgens mit Fieber aufgewacht bin. Es war bisher der schlimmste Heimweh-Moment: Ich saß völlig verschwitzt auf dem Bett und hatte die Nacht kaum geschlafen. Ich hatte das Gefühl, als ob eine Art Panik in mir aufsteigt und mir wurde bewusst, wenn ich jetzt nicht sofort nach Hause komme, raste ich aus. Aber ich hab mich zusammengerissen. Durchgeatmet. Und seitdem habe ich mein Heimweh im Griff. Natürlich denke ich jeden Tag an meine Lieblingsmenschen, aber mit einem positiven Gefühl im Bauch, nicht mit der elenden Verzweiflung. So oft gibt es Momente, in denen ich Papa gern was erzählen oder zeigen würde, oder mit meinem besten Freund das Outfit der Frau da drüben äh... „besprechen“ würde. Dann fällt mir ein, dass das ja gar nicht geht, aber das ist nicht schlimm. Das große Heimweh habe ich wohl hoffentlich überstanden.
Jetzt über die Feiertage packt mich höchstens die Melancholie und ich guck mir stundenlang alte Bilder an oder lese mir alte Nachrichten auf meinem Handy durch. Und ab und zu kommen mir immer noch ein paar Tränen, aber jeder Brief, jedes Telefonat, und jede kleine SMS gibt mir Kraft und hilft mir, die Wochen und Monate bis zu meiner Rückkehr zu überstehen. Ich bin auch davon überzeugt, dass mir der Abstand gut tut, denn nie lernt man etwas so zu schätzen, als wenn man es mal für längere Zeit nicht mehr haben kann. Ich bin so froh, dass ich so viele Menschen in meinem Umkreis habe, die mich unterstützen, die immer für mich da sind, bei denen ich genau so sein kann, wie ich bin, und die mich trotzdem lieb haben! Ich möchte euch einfach mal Danke sagen. Erst jetzt merke ich langsam, wie wichtig und wie schön es ist, solche Menschen zu haben. Und bevor ich jetzt schon wieder Pipi in den Augen habe, hör ich lieber auf zu schreiben. Ich glaube ihr wisst, was ich euch sagen will!

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten, genießt den Schnee, falls ihr welchen habt! Und habt nen guten Start ins neue Jahr, ich werde in Gedanken bei euch sein.

Ganz viel Liebe,
Leni


Ps: Danke sagen möchte ich auch mal den Menschen, die immer wieder meinen kleinen Blog besuchen und mich so unterstützen! Die Arbeit macht mir so Spaß, vor allem, wenn ich weiß, dass sich auch jemand für das, was ich so von mir gebe, interessiert! DANKE!

Dienstag, 13. Dezember 2016

Veränderungen

Es ist schon verrückt, wie sich innerhalb kürzester Zeit sämtliche Pläne in Luft auflösen können. Ursprünglich war mein Plan, die ganzen 12 Wochen, die ich in Namibia bin, auf Ludwigs Rinderfarm zu bleiben. Ludwig selbst wird nach sechs Wochen Aufenthalt, also Mitte Dezember, wieder zurück nach Deutschland fliegen (er hat dort noch einen festen Wohnsitz und eine Arbeitsstelle)  und ich werde die verbleibenden Wochen mit Ludwigs Lebensgefährtin, ihrer Familie und den Arbeitern auf der Farm verbringen. So weit so gut. Nun aber sind hier einige Dinge passiert, die die Situation grundsätzlich verändert haben. Ich möchte aus Rücksichtnahme auf die Beteiligten nicht näher auf die Ereignisse eingehen, allerdings sind Ludwig und ich zum Entschluss gekommen, dass ich sicherheitshalber nicht mehr auf der Farm bleiben kann, sobald er wieder in Deutschland ist.
Einen kurzen schockierenden Moment lang stand ich vor der Entscheidung, ob ich mit Ludwig  wieder zurück nach Deutschland komme, oder ob ich mich hier in Namibia nach einer neuen Bleibe umsehe. Und obwohl ich mir noch vor ein paar Wochen nichts sehnlicher gewünscht habe, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu fliegen, war für mich sofort klar, dass ich noch bleiben will. Mein Abenteuer, auf das ich so lange hingearbeitet und gespart habe, auf das ich mich vorbereitet und gefreut habe, darf jetzt noch nicht zu Ende sein. Dann hätte ich mich ja umsonst so verrückt gemacht weil ich meine Familie für so lange Zeit nicht sehen kann, umsonst geweint weil mich mein Heimweh überrumpelt hat - das ganze Drama wäre umsonst gewesen. Die Entscheidung war klar: Ich werde in Namibia bleiben, selbst wenn das bedeutet, dass  ich mir selbst im Busch eine Hütte bauen muss und mich ab sofort von Regenwasser und Warzenschweinen ernähren muss!!! Dazu sollte es natürlich nicht kommen, denn Ludwig hat mir sofort geholfen, eine neue Unterkunft zu finden. Er hat viele befreundete Farmer in der Nähe kontaktiert und gefragt, ob sie mich aufnehmen würden. Ich bin immer noch begeistert von der grenzenlosen Gastfreundschaft der Menschen, denn gleich drei verschiedene Familien haben mich herzlich zu sich auf die Farm eingeladen! Nun konnte ich mir sogar selbst heraussuchen, wohin ich gehen möchte. Die Farm, zu der ich am 14.Dezember ziehen werde, gehört einem älteren deutschen Paar und ist nur ca. 20 km von Ludwigs Farm entfernt. Das Paar lebt seit einigen Jahrzehnten in Namibia, und ist schon lange sehr gut mit Ludwig befreundet. Mir scheint, als wäre es für Herr und Frau Kirchner selbstverständlich, dass ich bei ihnen unterkomme und meine Zeit bei ihnen auf der Farm mindestens genauso genießen kann, wie bei Ludwig. Um noch einen drauf zu setzen, hat mich der Sohn der Kirchners eingeladen, mit ihm, seiner Freundin und noch ein paar Freunden über die Weihnachtsfeiertage einen Roadtrip zu machen. Er hat geplant, mit dem Zelt durch den Caprivi-Streifen bis nach Botswana zu fahren.
Dieses Angebot hat mir ehrlich gesagt die Sprache verschlagen. Ein Roadtrip durch das wunderschöne Namibia, neue Menschen kennen lernen, vielleicht ein weiteres afrikanisches Land sehen... Das ist eine Chance, die ich nie wieder bekommen werde und ein Traum, den ich nie zu träumen gewagt hätte. Natürlich habe ich zugesagt, und ich hoffe, dass das auch alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Eine Sache, die ich allerdings jetzt schon von Namibia gelernt habe, ist, dass meine Vorstellungen und Pläne immer wieder komplett über den Haufen geworfen werden. Egal was, es kommt anders als ich denke. Das ist manchmal ziemlich nervig, aber im Grunde genommen kommt am Ende immer etwas Besseres heraus, als ich zunächst erwartet habe – wie zum Beispiel ein Roadtrip zum Caprivi-Streifen!


Ich hoffe, ich kann euch bald wieder von meinen Erlebnissen berichten!

Eure Leni

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Namibia: Vorstellung vs. Realität

Einen ganzen Monat bin ich jetzt schon in Namibia. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht, nun ist schon ein Drittel meines Aufenthalts in Namibia um! Ich habe mich eingelebt, meine Haut kommt langsam mit der Sonne klar und färbt sich endlich von krebsrot zu einem leichten braun. Und auch an das scharfe Essen und an Begegnungen mit diversen Tieren in meinem Zimmer habe ich mich gewöhnt. Ich glaube ich kann mir jetzt erlauben, über einige Dinge zu urteilen und eine kleine Gegenüberstellung von meinen Vorstellungen vom Farmleben und der Realität zu machen.

Liebe Grüße und bis bald!
Leni


Vorstellung 1:  Ich werde 99,9% der Zeit auf der Farm verbringen und ansonsten nicht sehr viel von Namibia sehen.
Realität 1:  Stimmt nicht ganz. Natürlich verbringe ich sehr viel Zeit auf der Farm, trotzdem war ich schon in verschiedenen Städten (Otjiwarongo, Tsumeb, Okahandja – ich liebe diese Städtenamen!), auf einer Krokodil-Ranch und am berühmten „Baobab-Tree-Monument“. Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Außerdem werde ich wahrscheinlich in zwei Wochen „meine“ Farm verlassen und bis Februar auf einer anderen Farm bleiben. Warum ich von meinem ursprünglichen Plan abweiche, werde ich später, in einem anderen Post, genauer erklären. Bis jetzt habe ich nämlich das Warum und das Wohin selbst noch nicht so richtig verstanden und hoffe, in ein paar Tagen mehr darüber erzählen zu können.

Vorstellung 2:  Die Farm wird sich wahrscheinlich nicht sehr von einem deutschen Bauernhof unterscheiden. Es gibt Rinder, es gibt Ziegen, es gibt Ländereien – wo soll da der Unterschied sein?
Realität 2:  Gründlich falsch gedacht! Im Gegensatz zu einem Bauernhof ist das ca. 3000 Hektar große Gelände der Farm komplett eingezäunt. Statt fruchtbaren Feldern besteht hier alles aus einer steinigen Savanne. Die 130 Rinder und 25 Schafe haben keinen festen Stall und teilen sich das spärliche Gras mit drei fast wilden Pferden und 12 Eseln. Außerdem habe ich in Deutschland noch nirgends gesehen, dass die Arbeiter mit ihren teils großen Familien direkt auf dem Gelände leben. Festus, Willie, Riaan und Fasie, vier Arbeiter im Alter von 20 – 50 Jahren, verbringen ihr ganzes Leben auf der Farm und verlassen ihr Zuhause höchstens, um mit dem „Donkiecar“ (Eselskarren) die Nachbarfarm zu besuchen. Das Leben der Frauen und Kinder spielt sich eigentlich nur in und um ihre Häuser ab, denn es gibt weder feste Arbeit für die Frauen, noch eine Schule für die Kinder.

Vorstellung 3:   Mir wird es wahrscheinlich irgendwann sehr langweilig werden. Ludwig hat mich schon darauf vorbereitet, dass es nicht viel Arbeit für mich gibt und dass ich auch sonst nicht allzu viel unternehmen kann.
Realität 3:  Auch wenn ich es mir selbst nicht erklären kann: Ich habe mich bisher noch kein einziges Mal gelangweilt! Obwohl ich hier keine festen Arbeiten verrichten muss (Leider kann ich auf der Farm nicht viel helfen, da die Männer nicht einsehen, dass eine weiße junge Frau Zäune repariert, die Rinder treibt oder bewucherte Wege freischneidet), habe ich immer gerade so viel zu tun, dass mir nie langweilig wird. Ich habe sogar so viel zu tun, dass ich den Gedanken an mein unaufgeräumtes Zimmer mit einem „Mach ich später irgendwann“ getrost ignorieren kann... Stattdessen versuche ich im Haushalt, beim Wäschewaschen, beim Kochen und Putzen zu helfen. (Mama, du kannst deinen vor Staunen geöffneten Mund wieder schließen. Ja, ich putze!)

Vorstellung 4:  Ich muss mir keine Sorgen um meine Figur machen, denn ich werde sicher nicht mehr essen können als in Deutschland.
Realität 4:  Schön wär's! Ich esse mehr als zu Hause. Aber zu so deliziösen (ich habe keinen besseren Ausdruck gefunden) Mahlzeiten kann man einfach nicht nein sagen. Hier sieht man eine Portion sogenannter „Fettcookies“; verfeinert mit einer Hackfleisch-Kartoffelfüllung. Ich glaube, das wahre Geheimnis dieser unglaublich leckeren Fettcookies ist das ranzige Öl, in dem sie ausgebacken werden. Je ranziger das Öl desto besser! Als Krönung gibt es selbstgemachten Eistee.



Vorstellung 5:  Ich werde abends mit den Arbeiterfamilien zusammen am Feuer sitzen und ihnen Gesellschaft leisten.
Realität 5:   Leider bleibt das weiterhin nur ein Traum. Es ist nicht leicht das Verhältnis zwischen weißen Farmern und ihren Arbeitern zu beschreiben. Zum Einen spürt man eine große Abhängigkeit: Der Farmer ist genauso auf zuverlässige Arbeiter angewiesen, wie die Arbeiter auf einen fairen und gerechten Farmer. Zum Anderen herrscht eine große Distanz zwischen beiden Gruppen, und das enttäuscht mich ein bisschen. Die Arbeiter leben mit ihren Familien in Blechhütten oder Steinhäusern etwa 500m vom Farmhaus entfernt und sie sehen es nicht gern, wenn „Weiße“ ihr Territorium betreten. Ich habe nun schon mehrere Farmen in der Umgebungbesucht, und immer wieder bin ich auf die gleiche Distanz zwischen „Schwarzen“ und „Weißen“ gestoßen. Da ich nicht das Gefühl habe, dass da irgendjemand etwas ändern will, muss ich meinen Wunsch, eine tiefere interkulturelle Verbindung zu schaffen, wohl leider vergessen. Trotzdem hält mich die ganze Situation natürlich nicht davon ab, heimlich mit den Kindern zu malen, zu spielen und mir von ihnen Afrikaans beibringen zu lassen! Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kinder eine kleine Brücke zwischen „Schwarzen“ und „Weißen“ schlagen können, denn letztens haben mir die Arbeiterfrauen von weitem gewunken – ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so über ein kleines Winken gefreut habe...



Samstag, 26. November 2016

Die Wahrheit über „Traveller“


Es gibt zur Zeit einen Trend, der mich sehr beeindruckt und dem auch ich sehr gerne folgen würde, wenn ich könnte: Auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram entdeckt man immer wieder Menschen, die sich selbst als „Traveller“ (=Reisende) bezeichnen. Zu erkennen sind diese Traveller an den tollen, bunten Bildern auf ihrem Profil und an kleinen Infotexten, in denen man erfährt, wo sie sich gerade aufhalten, und wo es als nächstes hingeht. Ein typisches Bild einer Traveller-Frau sieht folgendermaßen aus: Man erkennt nur den unteren Körperabschnitt, also den durchtrainierten Bauch, ein elegantes Bikinihöschen und die langen sonnengebräunten Beine. Neben ihr steht ein kunstvoll angerichteter Teller mit veganen Snacks, daneben ein bunter Chia-Avocado-wasweißich-Cocktail. Sie liegt auf einem Liegestuhl am Pool oder am Meer, und der Schatten einer Palme umspielt ihren Körper. Die Männerversion zeigt einen braungebrannten Typen, der nur eine Badehose trägt, damit sein muskulöser Körper besser zu erkennen ist. Auf dem Rücken trägt er einen großen Wanderrucksack, seine Hände stecken lässig in den Hosentaschen. Er steht auf einer felsigen Klippe und schaut extrem cool aufs Meer hinaus. Diese Menschen scheinen keine Sorgen zu haben, keine Verpflichtungen. Sie können reisen wohin und wie lange sie wollen und sie können selbst entscheiden, ob sie im Zelt oder in einem Luxushotel übernachten, denn Geld spielt absolut keine Rolle. Heute Island, morgen Hawaii, übermorgen Tokio. Unter den Bildern findet man dann Hashtags wie #travel #wanderlust #sun #sea #adventure #besttimeofmylife #blessed und so weiter. Wenn man in Deutschland bei Regen und Kälte an seinem Handy sitzt, und auf sozialen Netzwerken die Chia-Avocado-Frau und den Badehosen-Mann bei ihren Traumreisen begleitet, kann man schon mal neidisch werden. Zumindest ging es mir immer so. Und ich habe mich so sehr darauf gefreut, endlich auch mal die Chance zu haben, mich während meiner Auslandszeit wie einer dieser Traveller zu fühlen. Doch entweder lügen diese Leute, oder ich bin der absolut unbegabteste Traveller aller Zeiten. Denn im Vergleich zur oben beschriebenen Traveller-Frau fehlt  mir sowohl ein Pool als auch eine Palme auf der Farm, meine Haut ist eher krebsrot als braun, und ich bin froh, wenn der Kühlschrank überhaupt mal ein kaltes Getränk hergibt. Von Cocktails kann ich nur träumen! Und überhaupt, meine Bilder sind fast immer farblos, zu hell oder zu dunkel, und Selfies mach ich erst gar nicht, denn keiner will meine verschwitzte Stirn oder die sich schälende Haut auf meiner Nase sehen!
Diese Menschen, die täglich Bilder von den schönsten Orten der Welt posten, zeigen nur die perfekte Oberfläche. Sie erzählen nichts von den wahren Problemen eines Reisenden, wie zum Beispiel Sonnenbrand auf der Kopfhaut, der widerlich juckt, eine Ameisenstraße quer durchs Zimmer, Magengrummeln oder Schlimmeres (Hahaha. Nicht witzig!) nach sehr pikanten Mahlzeiten, Nachts fünf mal aufwachen weil es zu heiß oder zu stickig ist. Solche Menschen zeigen auch keine Schwächen wie schlechte Tage, an denen man wirklich schlimmes Heimweh hat, oder die panische Angst vor Krankheiten, die sich einstellt, sobald man ein bisschen Fieber und Halsweh bekommt, oder wenn man ein Moskito herumschwirren sieht. Solche und noch tausend andere Dinge erkennt man nicht, wenn man die typischen Traveller-Bilder betrachtet. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich keiner dieser Traveller bin. Doch vielleicht geht es diesen Leuten genauso wie mir. Vielleicht rutschen sie auf der Suche nach dem perfekten Bild genauso wie ich auf einem Hundehaufen aus (ist mir wirklich passiert, und zwar barfuß!) und wahrscheinlich haben sie auch ihre Ängste und Probleme, sie zeigen sie nur nicht. Dieser Blog ist nicht dazu da, nur die schönen und tollen Aspekte meiner Reise hervorzuheben. Er soll vor allem echt sein.
Und in diesem Fall bin ich lieber eine echte „Reisende“, als ein perfekter „Traveller“.
#nofilter #nofake #justreality

Mir geht es, bis auf eine kleine Erkältung, ganz gut, macht euch keine Sorgen!

Bis zum nächsten Mal!

Samstag, 19. November 2016

#2: Liebes Afrika


Oder besser gesagt: Liebes Namibia,

ich freue mich sehr, dich endlich kennengelernt zu haben. Ich muss schon sagen, du bist sehr... naja, besonders. Auf der einen Seite machst du es mir ganz leicht, dich zu bewundern und zu lieben, aber auf der anderen Seite bist du gewöhnungsbedürftig und regelrecht anstrengend. Warum ich das so empfinde, möchte ich dir jetzt anhand einiger bisherigen Erlebnisse erklären:


Fangen wir mal mit der Kategorie „Tierwelt“ an. Ich möchte mich ja nicht beschweren, aber ich habe das Gefühl, du willst meine Nerven, in Bezug auf gruselige Tiere, wirklich überstrapazieren! Den Gecko und die Fledermaus in meinem Zimmer konnte ich ja noch verkraften, aber der Skorpion, der mitten in der Nacht ganz unschuldig auf meinem Nachtschränkchen saß, war eindeutig zu viel! Na, gute Nacht und vor allem: Schöne Träume!! Aber ich bin mächtig stolz auf mich und habe allen mit erhobenem Haupt am nächsten Morgen erzählt, wie ich das Tier (ich gebe es zu, es war ein Miniskorpion, etwa so groß wie ein Feuerzeug) mit meinem Schuh heldenhaft getötet habe. Dennoch suche ich seitdem jeden Abend sehr gründlich nach ungewollten Mitbewohnern und kontrolliere sogar jedes Mal die Toilette, bevor ich sie benutze. Es gibt natürlich auch schöne Erlebnisse mit afrikanischen Tieren. So habe ich zum Beispiel schon Kudus, Duiker, Elenantilopen, Paviane, Schakale, Warthogs, Strauße und  Schildkröten in freier Wildbahn gesehen! Und hier auf der Farm begeistern mich die Tiere von Tag zu Tag mehr: Kaffer („Kaffer“ ist hier in der Gegend  die schlimmste Beleidigung überhaupt. Ich weiß wirklich nicht, warum der arme Hund von den Arbeitern so benannt wurde!) wartet jeden Morgen schwanzwedelnd vor meiner Tür auf mich und lässt mich den ganzen Tag über nicht aus den Augen, und die einsame Ente, die glaubt, sie wäre ein Hund, legt sich zu mir in den Schatten und kuschelt mit mir. Ich durfte sogar schon auf  einem Hengst reiten, der normalerweise mit den Rindern im Busch lebt und ich bin mir nicht sicher, wer mehr Respekt vor dem anderen hatte. Aber wir beide haben uns gut angestellt und nun lässt er sich sogar dazu herab, ab und zu einen Apfel von mir anzunehmen. Auch wenn es komisch klingt: Die Tiere auf der Farm geben mir viel Kraft und bringen mich auch dann mal zum lachen, wenn ich nicht so gut drauf bin.


Nun komme ich zum Thema „Klima“, und der damit zusammenhängenden Natur- und Pflanzenwelt. Was mich die ersten paar Tage wirklich umgehauen hat, war diese unglaubliche Hitze. In Frankfurt am Flughafen noch dick eingepackt, musste ich mich in Windhoek morgens um 7 Uhr bei 27°C (!) erst mal umziehen. Seitdem hat keine Jeans und kein Pullover meine Haut berührt. Zur Mittagszeit wird es unerträglich heiß, und die Sonne verbrennt alles, was ihr in den Weg kommt. Nachts kühlt dann ein heftiges Hitzegewitter (bei dem mir manchmal echt die Haare zu Berge stehen) die Luft auf 20°C herunter. Die Savanne ist kahl, vertrocknet und außer toten, grauen Ästen und braunem Boden gibt es nichts zu sehen. Doch langsam beginnt die Regenzeit, und man erkennt einen grünen Schimmer auf den Büschen, sobald es nachts mal ein paar Tropfen geregnet hat. Da kommen bei fast 40°C im Schatten sogar noch Frühlingsgefühle auf! In meinem Garten steht ein Papayabaum, dessen Früchte bald reif sind und das Gel der wilden Aloe Vera, die hier überall wächst, hilft gegen Sonnenbrand. Und, liebes Namibia, wie unglaublich lecker ist eigentlich Guavensaft?! Ich werde nie wieder ohne dieses pinke Zeug leben können! Die Natur, und alles was sie mit sich bringt, ist so viel exotischer als in Deutschland und ich genieße es wirklich sehr, so viel Neues kennenzulernen.


So wie ich es erwartet hatte, sind deine Bewohner ganz besondere Menschen. Zum Beispiel gibt es auf die Frage, wie viele Menschen maximal in einen mittelgroßen Geländewagen passen, absolut keine Antwort! Mein Maximum bisher waren 12 Personen (ich irgendwo mitten auf der Transportfläche, vergraben unter Haut, Haaren, und einem Baby, das mir in den Schoß gelegt wurde), aber mir wurde versichert, dass ich mich noch auf viel engere Fahrten mit mehr Personen, manchmal auch Tieren freuen darf. Viele Menschen sind mir gegenüber noch sehr scheu, und man muss immer damit rechnen, mit seltsamen, traurigen oder schockierenden Situationen konfrontiert zu werden. Trotzdem habe ich noch nie irgendwo mitbekommen, dass im Alltag so viel gelacht und getanzt wird. Vor allem in der Stadt sind die Menschen so offen und freundlich. Die Kassiererin im Supermarkt in Grootfontein  begrüßt mich jetzt schon immer mit „Dag Leni! Hoe gaan dit?“ (= Hallo Leni, wie geht’s dir?). Und Riaan, einer der Arbeiter hat mir gestern selbstgemachte Küchlein gebracht. Ein brotähnlicher Teig wird in heißem Fett über einer Feuerstelle frittiert. Ich glaube in meinem ganzen Leben hab ich noch nie so etwas leckeres gegessen! Heute habe ich dir einen sehr langen Brief geschrieben, aber es gibt noch tausend weitere Eindrücke und Erlebnisse, die ich in den ersten Tagen/ Wochen gehabt habe. Ich bin so froh, dass wir uns nun endlich kennenlernen durften und dass du mir ohne Scheu dein echtes, reales Gesicht zeigst! Ich glaube, wir beide werden mit der Zeit enge Freunde und hoffe, dass du mir noch viele Dinge beibringen und zeigen kannst.


Bis zum nächsten Brief!


 Deine (völlig faszinierte) Leni.

Freitag, 11. November 2016

Mutausbrüche und andere Katastrophen


So sieht mein Zuhause in Namibia aus.
MUTausbruch. Anders lässt sich das, was ich vor einigen Monaten gehabt habe, nicht erklären. Ich würde eigentlich schon behaupten, dass ich einigermaßen mutig bin, zumindest bin ich kein Angsthase. Doch nun, kurz nach meiner Landung in Namibia, frage ich mich: Was zum Teufel war mit mir los, als ich mich dazu entschieden habe, drei Monate auf einer Rinderfarm in Namibia zu verbringen? Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich keine Ahnung, was da auf mich zukommt und auch wenn mich Ludwig (der Farmbesitzer) vorgewarnt hatte, war ich davon überzeugt, dass mir die Abgeschiedenheit und die Stille auf der Farm wenig ausmachen würde.

Doch jetzt sitze ich hier, auf dem Treppenabsatz zu meinem Gästehäuschen, schreibe diesen Text und komme in der Realität an. Und diese Realität besteht aus Schweiß, Insekten und der absoluten Einsamkeit. Die nächste Stadt liegt 40 km von der Farm entfernt, man fährt ca. 45 Minuten auf einer Schotterpiste durch eine staubtrockene Savanne und begegnet höchstens ein paar Warzenschweinen oder Oryxantilopen. Am Tag fahren maximal zwei Autos an der Farm vorbei. Ludwig witzelte vorhin, wenn heute noch ein drittes Auto vorbeifährt, beantragt er eine Ortsumgehung... Es ist das Ende der Welt. Und jeder, der behauptet, sein kleines Heimatdorf in Deutschland würde am Ende der Welt liegen, hat einfach nur unrecht. DAS HIER ist das Ende der Welt! Strom gibt es hier nur abends für zwei Stunden, und von Netz, geschweige denn von Internet, kann ich nur träumen. Leider ist auch noch das einzige Telefon auf der Farm kaputt, also habe ich absolut keine Möglichkeit, Kontakt nach Deutschland aufzubauen. Ich muss zugeben, dass ich daran ziemlich zu knabbern habe und aufpassen muss, dass ich nicht anfange, das alles hier zu verabscheuen und abbrechen zu wollen (Ja, ich habe zwei Stunden nach meiner Ankunft schon ausgerechnet, ob ich es mir finanziell leisten könnte, nach Hause zu fliegen und erst im Februar wieder nach Südafrika zu fliegen!) Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir die Einsamkeit gut tut und dass alles gar nicht so schrecklich ist, wie es mir vorkommt. Denn wenn ich von meinem Treppenabsatz aufschaue, sehe ich zwei kleine Welpen, die lautstark miteinander spielen. Ich sehe einen wunderschön blühenden Baum neben dem Haupthaus und es riecht nach Kräutern und Kaffee. Bis auf das Quietschen des Windrades, und leise Musik, die aus dem abgelegenen Steinhäuschen der afrikanischen Farmarbeiter kommt, höre ich nichts.


Es ist wunderschön hier.

Die Menschen sind alle sehr nett zu mir, bis auf die Arbeiter und ihre Familien, die sehr schüchtern sind und mir deutlich zu verstehen geben, dass ich „eine Weiße“ bin. Ich hoffe sehr, dass sich das noch irgendwann ändert, und dass ich nicht nur das Leben des „weißen Farmers“ kennenlerne, sondern auch einen Einblick in deren Leben bekomme.




Einsamkeit hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland, eine viel intensivere. Das war mir damals wohl überhaupt nicht klar. Diese Art von Einsamkeit habe ich noch nie gespürt und es ist nicht einfach, sich damit abzufinden. Ob ich zuversichtlich bin, dass ich die ganzen Wochen hier überstehe, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. In dem ersten Blogbeitrag, dem Brief an Afrika, habe ich geschrieben, dass ich hoffe und auch befürchte, dass mich das Land mit all seiner Wucht trifft... Ich hatte ja keine Ahnung, dass Namibia das so wörtlich nimmt! Ich denke, ich muss hier erst mal eine gewisse Zeit verbringen, mich an alles gewöhnen, und vor allem lernen zu genießen. Was ich allerdings jetzt schon gelernt habe ist, dass Träume und Pläne nie so verlaufen, wie man es sich in seiner Vorstellung ausgemalt hat. Die Realität sieht ganz anders aus, und kann manchmal auch sehr schmerzhaft sein.

Trotzdem bereue ich es nicht, einen Mutausbruch gehabt zu haben, und auch wenn ich gerade merke, dass ich vielleicht doch gar nicht so mutig bin: Mutausbrüche sind etwas Positives! Ein bisschen Selbstüberschätzung zwingt einen dazu, seine Grenzen zu überwinden und auch mal aus seinem Schneckenhaus zu kommen und sich ins Ungemütliche zu stürzen.

Diesen Mutausbruch werde ich – da bin ich mir sicher!- niiiie wieder vergessen.

Falls ihr immer informiert werden wollt, wenn ein neuer Beitrag auf meinem Blog online kommt, könnt ihr gerne die Newsletter abonnieren. 


Macht euch keine Sorgen, mir geht es gut!
Bis bald! Eure Leni













Samstag, 5. November 2016

#1 Liebes Afrika...

...ich glaube du kennst mich noch nicht, deshalb möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Leni und ich bin 19 Jahre alt. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Süddeutschland und habe gerade mein Abitur bestanden. Bevor ich mich um Studium, Beruf und all den anderen Erwachsenen-Kram kümmere, will ich noch etwas wirklich Unvernünftiges tun: Ich möchte dich persönlich kennenlernen. Ich würde gerne wissen, wie du bist und wer du bist und zwar mit all deinen Facetten und Gesichtern.  Ich habe (fast) keine Angst vor deiner rauen Seite und freue mich auch darauf, deine schöne und atemberaubende Seite zu entdecken. 

Am 7. November 2016 werde ich in den Flieger steigen und dich zum ersten Mal in Windhoek, Namibia besuchen. Dort werde ich drei Monate auf einer einsamen Rinderfarm im Norden Namibias verbringen und wahrscheinlich dein wildes, ungezähmtes Gesicht kennen lernen. Danach verbringe ich zwei Wochen in Kapstadt, Südafrika. In dieser Großstadt treffe ich hoffentlich auf Kultur, auf Menschen, auf gutes Essen und Musik.  Wenn ich dann noch nicht genug von dir habe, gehe ich für vier Monate nach Tansania auf eine Pferdefarm, direkt am Meer in der Nähe von Daressalam.  Hier freue ich mich auf neue Freundschaften, auf die Arbeit mit Pferden und hoffe, dass ich wenigstens ein Mal nachts bei Mondschein im Meer baden darf (werde ich mich bestimmt sowieso nicht trauen – wahrscheinlich zeigst du mir dann nämlich nicht dein romantisches, sondern dein Etwas-gruseliges-hat-mich-gerade-am-Fuß-berührt-Gesicht!)...

Viele Menschen haben mir von dir erzählt und ich bin wirklich gespannt wie du so drauf bist. Ich bin neugierig auf die Kultur und Lebensweise deiner Bewohner, auf deinen Charakter, und natürlich auch auf dein Aussehen, die Pflanzen- und Tierwelt. Das, was ich bisher so gesehen und gehört habe gefällt mir ziemlich gut, allerdings steigt meine Nervosität, dich zu treffen, von Tag zu Tag, denn ich befürchte und hoffe gleichzeitig, dass du mich mit all deiner Wucht erwischst.  



Liebe Grüße und bis bald,
Deine Leni 

P.S.: Ich hoffe du erlaubst mir, andere Menschen über diesen Reiseblog an meiner Entdeckungstour teilhaben zu lassen. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir ab und zu mal das  Internet zur Verfügung stellen könntest (ich weiß, mit dem Internet hast du, außerhalb der großen Städte, nicht allzu viel am Hut). Gib mir bitte von Zeit zu Zeit die Chance (ich brauche Strom und WLAN!!!!), meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten und Interessierten von dir und mir zu erzählen. Danke!