Es war einmal eine verzweifelte Schülerin, die mit den Entscheidungen bezüglich ihrer Zukunft völlig überfordert war. Sie suchte nach passenden Berufen, Ausbildungsplätzen oder Studiengängen, doch nichts schien ihr wirklich zu gefallen. Das Abitur rückte näher, und somit auch der Termin, an dem sie wissen musste, was sie später werden wollte. Doch noch immer hatte die Schülerin keine Entscheidung getroffen. Aus Angst, den falschen Weg zu wählen, versuchte sie Zeit zu schinden, aber wie sollte sie das machen? Da kam ihr die rettende Idee: Sie wollte ein Jahr lang ins Ausland, um etwas von der Welt zu sehen, und um noch ein bisschen mehr Zeit zu haben, bis sie sich schlussendlich für einen Beruf entscheiden musste. Sie hoffte, auf ihrer Reise einen Moment der Erleuchtung zu haben, um dann nach diesem Jahr zielstrebig eine berufliche Karriere starten zu können...
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt
sie noch heute. Arbeits- und ahnungslos. Auf einer Rinderfarm, mitten auf dem
afrikanischen Kontinent und stopft sich mit Fettcookies voll.
So oder so ähnlich kam ich dazu, mir eine
Aus(lands)zeit zu genehmigen. Klingt ziemlich banal und unromantisch, ich weiß.
So lang weg zu gehen, nur weil ich Schiss davor habe, mich für einen Beruf zu
entscheiden?! Ja, das war ein Grund, aber natürlich nicht der Einzige. Schon
seit mehreren Monaten beschäftige ich mich intensiv mit verschiedenen Berufen
aber irgendwie finde ich an allem etwas auszusetzen. Das Eine ist mir zu
stressig, das Andere zu langweilig, und für das Dritte bringe ich nicht genug
Mut auf. Der eine Beruf lässt nicht zu, das ich später eine Familie gründen
kann, der andere macht mich sofort zum Hausmütterchen, das ich nicht sein will.
Es ist nervenaufreibend. Ich kann gar nicht so richtig erklären, warum ich mich
selbst wegen dieser Zukunftsfrage so unter Druck setze, aber im Grunde genommen
ist es ganz einfach: Ich habe Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen und
dann in zehn Jahren zu merken, dass ich in meinem Beruf nicht glücklich bin.
Vielleicht bin ich naiv, zu glauben, dass es irgendwann auf meiner Reise
„Pling!“ macht, und ich mir dann sicher bin, welchen beruflichen Weg ich gehen
will. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, und selbst wenn ich
vergeblich auf das „Pling!“ warte, so bin ich mir doch ziemlich sicher, dass
ich mich nach den 8 Monaten in Afrika ein bisschen besser kennen gelernt habe
und es mir hoffentlich leichter fällt, so eine wichtige Entscheidung zu
treffen.
„Schuld“ an meiner Auslandszeit ist aber nicht
nur die Angst, einen Beruf zu finden, sondern zum Beispiel auch meine großen
Geschwister, die mir alle, jeder auf seine Art und Weise große Vorbilder sind
und mich mit ihren teils verrückten Reisen (ein Jahr Südamerika, monatelang
durch Namibia und Südafrika, im Winter mit dem Zelt nach Island, Backpacken in
Israel, den Jakobsweg gehen) angesteckt haben. Gerade in der Prüfungszeit hat
mich das Fernweh gepackt, aber so richtig! Und niemand hat mich daran
gehindert, mein Reisefieber in die Tat umzusetzen - weder meine Eltern, noch
meine Freunde, noch mein Liebster. Im Gegenteil, ich habe so viel Unterstützung
bekommen, dass mir irgendwann gar nichts anderes mehr übrig blieb, als meine
Pläne durchzuziehen.
Im Nachhinein stelle ich verwundert fest, dass
es nie den einen Moment gab, in dem
ich mich für diese Reise entschieden habe. „Nur mal um zu gucken“ habe ich im
Internet gesurft und mich bei Bekannten umgehört, aus Kanada wurde Afrika als
Ziel, und plötzlich hatte ich die Telefonnummer von Ludwig, seine Zusage, das OK
vom Pferdehof in Tansania und sämtliche Flüge in der Tasche. Und dann wurde mir
klar: Okay, jetzt musst du es wirklich machen. Das klingt jetzt alles so
willkürlich und mühelos, was es natürlich nicht war! Ich habe Monate gebraucht,
um alle Dokumente, Impfungen, finanzielle Dinge usw. zu organisieren, bin von A
nach B gerannt, habe mir Geld dazuverdient und tausend weitere Sachen erledigt.
Aber wie gesagt, im Nachhinein kommt es mir so vor, als wär alles so
dahingeplätschert ohne dass ich wirklich realisiert habe, dass ich da gerade
die nächsten Monate meines Lebens verplane.
Nun bin ich hier, mittendrin in meinem
Abenteuer, genieße jeden Moment und danke mir selbst und meiner Familie, meinen
Freunden, dass ich in diese Reise „hineingerutscht“ bin. Und was meine
Berufsfindung angeht, najaa...wenn es ganz still ist spitze ich vorsichtshalber
meine Ohren, damit ich das „Pling!“, falls es je kommen sollte, nicht überhören
kann. :)
Ganz liebe Grüße, und falls jemand
Berufsempfehlungen hat, immer her damit!
