"Koukas" ist buschmännisch und bedeutet "Fischpfanne". So heißt der Ort auf dem ich in der zweiten Hälfte meines Namibiaaufenthalts lebe. Na toll, dachte ich mir, als ich das zum ersten Mal hörte. Fischpfanne?? Klingt irgendwie nicht so einladend... Der Name kommt von dem großen ausgetrockneten See, also einer Pfanne, die direkt vor dem Haupthaus liegt und nur nach extremen Regenfällen mit Wasser gefüllt ist - so lautete die Erklärung. Also doch kein Fischgestank, puh war ich froh!
"Koukas" ist ein kleines Paradies. Es gibt Palmen, Blumen, ein zahmes Böckchen, kleine Eichhörnchen, Elektrizität und vor allem: WARMES WASSER! Jeden Morgen stehe ich um 6:00 Uhr (!) auf, nehme voller Dankbarkeit erstmal eine warme Dusche und mache mich dann an meine täglichen Pflichten: Papageien füttern, einem Lämmchen mit der Flasche Milch geben, die Hunde beschäftigen, Unkraut jäten, den Hof harken und so weiter. In der Mittagszeit, wenn es einfach zu heiß zum Arbeiten ist, setze ich mich mit einem Buch in den Schatten und genieße die Ruhe. Und ruhig ist es hier auf jeden Fall! Ich habe noch weniger die Chance, in die Stadt zu kommen, als auf der ersten Farm, denn Kirchners zögern es immer bis zum letzten Tag heraus, in die Stadt zu gehen, weil keiner Lust auf den Trubel und die vielen Menschen hat. Erst wenn die Speisekammer wirklich leer ist, erbarmt sich jemand und nimmt den langen Weg (85 km auf Schotterstraße!) auf sich. Und ich muss sagen, auch ich reiße mich nicht mehr darum, unter Menschen zu kommen oder Handynetz zu haben. Mittlerweile habe ich diese Abgeschiedenheit zu schätzen gelernt. Wie auch auf Ludwigs Farm bin ich hier manchmal sehr einsam. Trotzdem macht es einen riesigen Unterschied, ob der Farmer nur zeitweise auf der Farm ist, so wie Ludwig, oder ob er sein ganzes Leben auf der Farm verbringt, so wie die Kirchners. Alles ist irgendwie gemütlicher, wohnlicher und naja, irgendwie "echt". Ich fühle mich hier richtig heimisch und vergesse manchmal komplett, dass das nur ein kurzer Abschnitt meines Lebens ist, und dass mein echtes Leben zu Hause in Deutschland auf mich wartet. Die Menschen gehen mit mir um, als wäre ich schon immer da und würde für immer bleiben.
Leider sind meine Tage auf Koukas gezählt, denn bald verlasse ich Namibia und reise weiter nach Südafrika. Dennoch bin ich unglaublich dankbar, dass mich der Zufall, das Schicksal oder was auch immer hier auf diese Farm geführt hat und dass ich hier ein paar wunderschöne Wochen verbringen durfte. Die Zeit hier hat mir nochmal eine ganz neue Seite von Namibia gezeigt und ich bin mir ganz ganz sicher, dass das nicht mein letzter Besuch von Namibia war. Ich habe zwar viel mehr von Land gesehen, als erwartet, aber es gibt noch tausende Plätze, die ich mir irgendwann unbedingt noch angucken möchte.
Trotzdem freue ich mich total auf Kapstadt, auf zwei Wochen Urlaub mit Robin an meiner Seite. Ich bin so aufgeregt, jemanden aus meinem "richtigen Leben" zu sehen! Seit schon fast drei Monaten habe ich immer nur fremde Menschen um mich, und ich bin gottfroh, wenn ich mal wieder jemanden bei mir habe, der mich kennt.
Also, ich werde mich dann wieder aus Kapstadt melden, liebe Grüße und bis bald!
Eure Leni
Zuerst einmal: Ja, ich lebe noch. Sorry, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Gewisse Blitzeinschläge haben mein Laptop zerstört und gewisse Internetcafés verlangen so verdammt viel Geld von mir, dass es mir unmöglich war, einen neuen Blogpost hochzuladen. Jetzt bin ich natürlich sehr spät dran, aber vielleicht interessiert sich ja doch noch jemand dafür, wie ich mein erstes Weihnachten weit weg von zu Hause gefeiert habe. Ich bete und hoffe, dass in Zukunft keine so langen Pausen mehr zwischen den Blogposts entstehen.
Dass ein Roadtrip geplant war, davon hab ich ja schon erzählt. Ich hatte jedoch keine Ahnung wohin genau, wann genau, mit wem überhaupt und was wir eigentlich genau machen. Ich wollte auch gar nicht groß nachfragen, ich ließ mich einfach überraschen. Und so starteten vier namibisch-deutsche Jungs, eine Australierin und ich am 23.12. unseren Trip Richtung Norden. Sechs Menschen, zwei Autos, ein Spanferkel und unendlich viel Bier. Die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir auf einer Jagdfarm in Namibia kurz vor der Grenze zu Angola am Kwando River. Hier hatte ich meine erste Begegnung mit einem Nilpferd. (Es griff uns an und rammte unser Boot, als wir am Heiligabend zum Sonnenuntergang noch eine kleine Bootsfahrt machten. Als uns später klar war, wie gefährlich die Situation eigentlich war, verging uns das Lachen!) Heiligabend wurde mit einem kühlen Bier bei 35 Grad im Schatten, dem Spanferkel und einem dekorierten Palmzweig gefeiert. Leider sind uns die Lebkuchen am Zweig geschmolzen, bevor wir sie überhaupt probieren konnten... Wir hatten einen besonderen Abend, zwar nicht wirklich weihnachtlich aber doch irgendwie total schön. Mein Heimweh hielt sich in Grenzen, allerdings sind dann schon ein paar Tränchen geflossen, als mich Nachrichten von zu Hause erreicht haben. Das schönste Weihnachtsgeschenk überhaupt hat mir die Familie meines Freundes gemacht, indem sie mir ein total süßes selbstgedrehtes Video geschickt haben. (Auch wenn es Robin mega peinlich war: DANKE an euch alle! Ich hab mich so gefreut!!)
Nach 5 Tagen auf der Jagdfarm, die wir hauptsächlich UNO zockend, Bier trinkend und grillend verbracht haben, ging es dann am 28.12. weiter nach Botswana. Dort haben wir aber nur eine Nacht gecampt, um dann pünktlich zum Beginn des "Vicfalls Carnival" am 29.12. in Simbabwe an den Viktoriafällen zu sein. Das dreitägige Festival ist die größte Silvesterfeier Afrikas. Niemals hätte ich gedacht, dass in meiner Namibiazeit, die ja eigentlich für Ruhe, Stille und Einsamkeit stand, Party machen angesagt war! Und drei Tage lang nahm die Party irgendwie kein Ende: Wildwasserrafting auf dem Zambezi River, Besichtigung der Viktoriafälle, "Secret Bush Party" (mit einem Retro-Zug wurde die ganze Festivalmeute an einen geheimen Platz mitten im Busch gefahren, am dem dann eine Party stattfand), und schließlich das große Finale am Silvesterabend, wo uns verschiedene Bands ins neue Jahr begleiteten. Was soll ich sagen, es war bombastisch. Und bombastisch anstrengend. Aber in diesen drei Tagen hab ich so viel erlebt, wie sonst in einem halben Jahr nicht. Ich war überfordert, glücklich, melancholisch, sprachlos, kraftlos, hyperaktiv, mit Adrenalin vollgepumpt, müde, überwältigt, aufgeregt, entspannt - alles auf einmal. Innerhalb von drei Tagen habe ich Menschen von allen Kontinenten kennengelernt, habe Einladungen für London, Sydney, New York und Timbuktu bekommen, und kann ein "Frohes neues Jahr" auf 25 verschiedenen Sprachen wünschen. Es war die absolute Reizüberflutung und das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens. Dieses Silvester werde ich niemals vergessen.
Am 02.01. ging es dann wieder "nach Hause" auf die Farm bei Grootfontein. Hier fühle ich mich schon fast heimisch, habe meine täglichen Pflichten und Aufgaben. Ich habe bisher ja noch gar nicht erzählt, wie ich auf dieser Farm, auf der ich ja eher zufällig gelandet bin, lebe. Da aber sonst dieser Blogpost schon wieder zu lang werden würde, erzähle ich im nächsten Post davon.
Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start ins neue Jahr. Am Silvesterabend hab ich an euch alle gedacht und euch innerlich gedrückt, und zwar um 23 Uhr (wegen der Zeitverschiebung!), als bei uns noch nichts los war und bei euch das neue Jahr schon angefangen hat.
Liebe Grüße und bis (hoffentlich) ganz bald!
Eure Leni