Montag, 30. Januar 2017

Leni auf Koukas


"Koukas" ist buschmännisch und bedeutet "Fischpfanne". So heißt der Ort auf dem ich in der zweiten Hälfte meines Namibiaaufenthalts lebe. Na toll, dachte ich mir, als ich das zum ersten Mal hörte. Fischpfanne?? Klingt irgendwie nicht so einladend... Der Name kommt von dem großen ausgetrockneten See, also einer Pfanne, die direkt vor dem Haupthaus liegt und nur nach extremen Regenfällen mit Wasser gefüllt ist - so lautete die Erklärung. Also doch kein Fischgestank, puh war ich froh! 
"Koukas" ist ein kleines Paradies. Es gibt Palmen, Blumen, ein zahmes Böckchen, kleine Eichhörnchen, Elektrizität und vor allem: WARMES WASSER! Jeden Morgen stehe ich um 6:00 Uhr (!) auf, nehme voller Dankbarkeit erstmal eine warme Dusche und mache mich dann an meine täglichen Pflichten: Papageien füttern, einem Lämmchen mit der Flasche Milch geben, die Hunde beschäftigen, Unkraut jäten, den Hof harken und so weiter. In der Mittagszeit, wenn es einfach zu heiß zum Arbeiten ist, setze ich mich mit einem Buch in den Schatten und genieße die Ruhe. Und ruhig ist es hier auf jeden Fall!  Ich habe noch weniger die Chance, in die Stadt zu kommen, als auf der ersten Farm, denn Kirchners zögern es immer bis zum letzten Tag heraus, in die Stadt zu gehen, weil keiner Lust auf den Trubel und die vielen Menschen hat. Erst wenn die Speisekammer wirklich leer ist, erbarmt sich jemand und nimmt den langen Weg (85 km auf Schotterstraße!) auf sich. Und ich muss sagen, auch ich reiße mich nicht mehr darum, unter Menschen zu kommen oder Handynetz zu haben. Mittlerweile habe ich diese Abgeschiedenheit zu schätzen gelernt. Wie auch auf Ludwigs Farm bin ich hier manchmal sehr einsam. Trotzdem macht es einen riesigen Unterschied, ob der Farmer nur zeitweise auf der Farm ist, so wie Ludwig, oder ob er sein ganzes Leben auf der Farm verbringt, so wie die Kirchners. Alles ist irgendwie gemütlicher, wohnlicher und naja, irgendwie "echt". Ich fühle mich hier richtig heimisch und vergesse manchmal komplett, dass das nur ein kurzer Abschnitt meines Lebens ist, und dass mein echtes Leben zu Hause in Deutschland auf mich wartet. Die Menschen gehen mit mir um, als wäre ich schon immer da und würde für immer bleiben. 
Leider sind meine Tage auf Koukas gezählt, denn bald verlasse ich Namibia und reise weiter nach Südafrika. Dennoch bin ich unglaublich dankbar, dass mich der Zufall, das Schicksal oder was auch immer hier auf diese Farm geführt hat und dass ich hier ein paar wunderschöne Wochen verbringen durfte. Die Zeit hier hat mir nochmal eine ganz neue Seite von Namibia gezeigt und ich bin mir ganz ganz sicher, dass das nicht mein letzter Besuch von Namibia war. Ich habe zwar viel mehr von Land gesehen, als erwartet, aber es gibt noch tausende Plätze, die ich mir irgendwann unbedingt noch angucken möchte. 
Trotzdem freue ich mich total auf Kapstadt, auf zwei Wochen Urlaub mit Robin an meiner Seite. Ich bin so aufgeregt, jemanden aus meinem "richtigen Leben" zu sehen! Seit schon fast drei Monaten habe ich immer nur fremde Menschen um mich, und ich bin gottfroh, wenn ich mal wieder jemanden bei mir habe, der mich kennt. 

Also, ich werde mich dann wieder aus Kapstadt melden, liebe Grüße und bis bald!
Eure Leni

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