Mittwoch, 1. Februar 2017

#3 Liebes Afrika


Ich stelle mir meine Reise mit dir wie ein Buch vor. Kapitel 1 heißt "Wie Leni ihr Herz an Namibia verliert". Dieses Kapitel endet damit, dass ich mich in Namibia verliebt habe, und eigentlich für immer hier bleiben möchte. Und damit, dass ich heulend am Flughafen stehe und ein letztes Mal namibischen Boden unter mir spüre. Und genau an diesem Punkt bin ich jetzt gerade.

Heute ist mein letzter Tag in Namibia, morgen werde ich schon in Südafrika sein, deinem südlichsten Land. Natürlich freue ich mich sehr auf das nächste Kapitel, und bin schon sehr gespannt, was du mir darin alles zeigen und beibringen wirst. Trotzdem fällt es mir verdammt schwer, mich zu verabschieden. Gerade jetzt merke ich, was für eine wunderschöne Zeit ich erlebt habe und wie glücklich ich hier gewesen bin. Ich habe Menschen kennen gelernt, die mir unendlich wichtig sind, denen ich all meine tollen Erfahrungen zu verdanken habe, und die für mich im Laufe der Zeit zur Familie geworden sind. Meine namibische Familie eben. Diese Meschen haben mich so herzlich bei sich aufgenommen und mir 'ihr' Namibia gezeigt, sodass ich eigentlich gar keine andere Wahl hatte, als mich in dieses Land zu verlieben. Liebes Afrika, du hast deinen Bewohnern gezeigt, wie man das Leben genießt: Das leckere Frühstück morgens, diverse Farmrundfahrten hinten auf der Ladefläche des Pick-ups, den alltäglichen "Sundowner", bei dem sich alle treffen und den Sonnenuntergang angucken, leckeres Abendessen und tolle Gespräche, die unvergessliche Zeit im Caprivi-Streifen, in Botswana und Simbabwe, einen atemberaubenden Tag im Etosha Nationalpark... Das alles und noch vieles mehr habe ich ganz tief in meinem Herzen gespeichert und da wird es für immer bleiben. 
Meine Erwartungen waren nicht sehr hoch, als ich in Namibia gelandet bin. Eigentlich dachte ich ja, ich würde außer Grootfontein nicht viel vom Land sehen. Und jetzt?! Ich war in Namutoni, in Rundu, in Katima Mulilo, habe den Etosha - und den Bwabwata National Park gesehen, habe  zwei neue Stempel in meinem Reisepass, konnte Giraffen, Zebras, Elefanten, Gnus, Nilpferde, Hyänen, Schakale, Krokodile und tausende Antilopen aus der Nähe betrachten und durfte sogar die berühmten Regenbögen an den Viktoriafällen bewundern. 
Natürlich war nicht immer alles "Friede-Freude-Eierkuchen", ich war oft fix und fertig und wollte einfach nur noch nach Hause. Du hast mir sehr oft gezeigt, wie anstrengend du sein kannst! Ich hatte keine Lust mehr auf diese Hitze, und die heftigen Gewitter, auf  Insekten in meinem Bett und auf Piss-Motten (die ihrem Namen leider sehr gerecht werden!), auf völlige Isolation zur Außenwelt, auf gruselige Nächte und scharfes Essen. Aber immer dann, wenn es mir wirklich schlecht ging, war jemand für mich da. Egal, ob dieser "Jemand" ein Hund war, der gestreichelt werden wollte, oder einer der Kirchners, der mir zugehört und mich in den Arm genommen hat.
Ich bin sooo dankbar, dass ich durch einen eher unglücklichen Zufall auf Kirchners Farm gelandet bin und ich bin mir sicher, dass ich mich nicht für immer von dieser Familie verabschiedet habe. Am liebsten würde ich direkt nach meinem Praktikum in Tansania wieder nach Namibia fliegen. Aber ich weiß ja, dass das nicht geht - das Leben kann nicht immer nur aus Urlaub, Sonne und Guavensaft bestehen. Und das ist auch gut so! Aber ich lebe nun schon 3 Monate mit dir, und ich muss sagen: Du hast mich ganz tief berührt. Du bist genau das, was ich gebraucht habe. Ich bin so gottfroh, dass ich mich für dich entschieden habe und dass du mich so wohlwollend bei dir aufgenommen hast. 

Meine Freundin, bei der ich für drei Tage in Windhuk gelebt habe, sagte zu mir:"Leni, Willkommen im Club der Infizierten eines Virus namens Afrika". Und das stimmt. Liebes Afrika, du bist nicht nur ein Kontinent, sondern du bist ein Virus, der einen von Kopf bis Fuß auffrisst, der ein ganzes Herz für sich in Anspruch nimmt. Diesen Virus werde ich wohl nie wieder los werden. Aber im Moment muss ich das ja auch gar nicht, meine Reise geht weiter, ein neues Kapitel fängt an. Ich habe noch ein paar Monate Zeit, mich noch intensiver von dir anstecken zu lassen.
Ich freue mich darauf!

Liebe Grüße,

Deine Leni







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