Dienstag, 13. Dezember 2016

Veränderungen

Es ist schon verrückt, wie sich innerhalb kürzester Zeit sämtliche Pläne in Luft auflösen können. Ursprünglich war mein Plan, die ganzen 12 Wochen, die ich in Namibia bin, auf Ludwigs Rinderfarm zu bleiben. Ludwig selbst wird nach sechs Wochen Aufenthalt, also Mitte Dezember, wieder zurück nach Deutschland fliegen (er hat dort noch einen festen Wohnsitz und eine Arbeitsstelle)  und ich werde die verbleibenden Wochen mit Ludwigs Lebensgefährtin, ihrer Familie und den Arbeitern auf der Farm verbringen. So weit so gut. Nun aber sind hier einige Dinge passiert, die die Situation grundsätzlich verändert haben. Ich möchte aus Rücksichtnahme auf die Beteiligten nicht näher auf die Ereignisse eingehen, allerdings sind Ludwig und ich zum Entschluss gekommen, dass ich sicherheitshalber nicht mehr auf der Farm bleiben kann, sobald er wieder in Deutschland ist.
Einen kurzen schockierenden Moment lang stand ich vor der Entscheidung, ob ich mit Ludwig  wieder zurück nach Deutschland komme, oder ob ich mich hier in Namibia nach einer neuen Bleibe umsehe. Und obwohl ich mir noch vor ein paar Wochen nichts sehnlicher gewünscht habe, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu fliegen, war für mich sofort klar, dass ich noch bleiben will. Mein Abenteuer, auf das ich so lange hingearbeitet und gespart habe, auf das ich mich vorbereitet und gefreut habe, darf jetzt noch nicht zu Ende sein. Dann hätte ich mich ja umsonst so verrückt gemacht weil ich meine Familie für so lange Zeit nicht sehen kann, umsonst geweint weil mich mein Heimweh überrumpelt hat - das ganze Drama wäre umsonst gewesen. Die Entscheidung war klar: Ich werde in Namibia bleiben, selbst wenn das bedeutet, dass  ich mir selbst im Busch eine Hütte bauen muss und mich ab sofort von Regenwasser und Warzenschweinen ernähren muss!!! Dazu sollte es natürlich nicht kommen, denn Ludwig hat mir sofort geholfen, eine neue Unterkunft zu finden. Er hat viele befreundete Farmer in der Nähe kontaktiert und gefragt, ob sie mich aufnehmen würden. Ich bin immer noch begeistert von der grenzenlosen Gastfreundschaft der Menschen, denn gleich drei verschiedene Familien haben mich herzlich zu sich auf die Farm eingeladen! Nun konnte ich mir sogar selbst heraussuchen, wohin ich gehen möchte. Die Farm, zu der ich am 14.Dezember ziehen werde, gehört einem älteren deutschen Paar und ist nur ca. 20 km von Ludwigs Farm entfernt. Das Paar lebt seit einigen Jahrzehnten in Namibia, und ist schon lange sehr gut mit Ludwig befreundet. Mir scheint, als wäre es für Herr und Frau Kirchner selbstverständlich, dass ich bei ihnen unterkomme und meine Zeit bei ihnen auf der Farm mindestens genauso genießen kann, wie bei Ludwig. Um noch einen drauf zu setzen, hat mich der Sohn der Kirchners eingeladen, mit ihm, seiner Freundin und noch ein paar Freunden über die Weihnachtsfeiertage einen Roadtrip zu machen. Er hat geplant, mit dem Zelt durch den Caprivi-Streifen bis nach Botswana zu fahren.
Dieses Angebot hat mir ehrlich gesagt die Sprache verschlagen. Ein Roadtrip durch das wunderschöne Namibia, neue Menschen kennen lernen, vielleicht ein weiteres afrikanisches Land sehen... Das ist eine Chance, die ich nie wieder bekommen werde und ein Traum, den ich nie zu träumen gewagt hätte. Natürlich habe ich zugesagt, und ich hoffe, dass das auch alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Eine Sache, die ich allerdings jetzt schon von Namibia gelernt habe, ist, dass meine Vorstellungen und Pläne immer wieder komplett über den Haufen geworfen werden. Egal was, es kommt anders als ich denke. Das ist manchmal ziemlich nervig, aber im Grunde genommen kommt am Ende immer etwas Besseres heraus, als ich zunächst erwartet habe – wie zum Beispiel ein Roadtrip zum Caprivi-Streifen!


Ich hoffe, ich kann euch bald wieder von meinen Erlebnissen berichten!

Eure Leni

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