Es ist schon verrückt, wie sich innerhalb
kürzester Zeit sämtliche Pläne in Luft auflösen können. Ursprünglich war mein
Plan, die ganzen 12 Wochen, die ich in Namibia bin, auf Ludwigs Rinderfarm zu
bleiben. Ludwig selbst wird nach sechs Wochen Aufenthalt, also Mitte Dezember,
wieder zurück nach Deutschland fliegen (er hat dort noch einen festen Wohnsitz
und eine Arbeitsstelle) und ich werde
die verbleibenden Wochen mit Ludwigs Lebensgefährtin, ihrer Familie und den
Arbeitern auf der Farm verbringen. So weit so gut. Nun aber sind hier einige
Dinge passiert, die die Situation grundsätzlich verändert haben. Ich möchte aus
Rücksichtnahme auf die Beteiligten nicht näher auf die Ereignisse eingehen,
allerdings sind Ludwig und ich zum Entschluss gekommen, dass ich
sicherheitshalber nicht mehr auf der Farm bleiben kann, sobald er wieder in
Deutschland ist.
Einen kurzen schockierenden Moment lang stand
ich vor der Entscheidung, ob ich mit Ludwig
wieder zurück nach Deutschland komme, oder ob ich mich hier in Namibia
nach einer neuen Bleibe umsehe. Und obwohl ich mir noch vor ein paar Wochen
nichts sehnlicher gewünscht habe, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu
fliegen, war für mich sofort klar, dass ich noch bleiben will. Mein Abenteuer,
auf das ich so lange hingearbeitet und gespart habe, auf das ich mich
vorbereitet und gefreut habe, darf jetzt noch nicht zu Ende sein. Dann hätte
ich mich ja umsonst so verrückt gemacht weil ich meine Familie für so lange
Zeit nicht sehen kann, umsonst geweint weil mich mein Heimweh überrumpelt hat -
das ganze Drama wäre umsonst gewesen. Die Entscheidung war klar: Ich werde in
Namibia bleiben, selbst wenn das bedeutet, dass
ich mir selbst im Busch eine Hütte bauen muss und mich ab sofort von
Regenwasser und Warzenschweinen ernähren muss!!! Dazu sollte es natürlich nicht
kommen, denn Ludwig hat mir sofort geholfen, eine neue Unterkunft zu finden. Er
hat viele befreundete Farmer in der Nähe kontaktiert und gefragt, ob sie mich
aufnehmen würden. Ich bin immer noch begeistert von der grenzenlosen
Gastfreundschaft der Menschen, denn gleich drei verschiedene Familien haben
mich herzlich zu sich auf die Farm eingeladen! Nun konnte ich mir sogar selbst
heraussuchen, wohin ich gehen möchte. Die Farm, zu der ich am 14.Dezember
ziehen werde, gehört einem älteren deutschen Paar und ist nur ca. 20 km von
Ludwigs Farm entfernt. Das Paar lebt seit einigen Jahrzehnten in Namibia, und
ist schon lange sehr gut mit Ludwig befreundet. Mir scheint, als wäre es für
Herr und Frau Kirchner selbstverständlich, dass ich bei ihnen unterkomme und
meine Zeit bei ihnen auf der Farm mindestens genauso genießen kann, wie bei
Ludwig. Um noch einen drauf zu setzen, hat mich der Sohn der Kirchners
eingeladen, mit ihm, seiner Freundin und noch ein paar Freunden über die
Weihnachtsfeiertage einen Roadtrip zu machen. Er hat geplant, mit dem Zelt
durch den Caprivi-Streifen bis nach Botswana zu fahren.
Dieses Angebot hat mir ehrlich gesagt die
Sprache verschlagen. Ein Roadtrip durch das wunderschöne Namibia, neue Menschen
kennen lernen, vielleicht ein weiteres afrikanisches Land sehen... Das ist eine
Chance, die ich nie wieder bekommen werde und ein Traum, den ich nie zu träumen
gewagt hätte. Natürlich habe ich zugesagt, und ich hoffe, dass das auch alles so
klappt, wie ich es mir vorstelle. Eine Sache, die ich allerdings jetzt schon
von Namibia gelernt habe, ist, dass meine Vorstellungen und Pläne immer wieder
komplett über den Haufen geworfen werden. Egal was, es kommt anders als ich
denke. Das ist manchmal ziemlich nervig, aber im Grunde genommen kommt am Ende
immer etwas Besseres heraus, als ich zunächst erwartet habe – wie zum Beispiel
ein Roadtrip zum Caprivi-Streifen!
Ich hoffe, ich kann euch bald wieder von
meinen Erlebnissen berichten!
Eure Leni
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