| So sieht mein Zuhause in Namibia aus. |
Doch jetzt sitze ich hier, auf dem
Treppenabsatz zu meinem Gästehäuschen, schreibe diesen Text und komme in der
Realität an. Und diese Realität besteht aus Schweiß, Insekten und der absoluten
Einsamkeit. Die nächste Stadt liegt 40 km von der Farm entfernt, man fährt ca.
45 Minuten auf einer Schotterpiste durch eine staubtrockene Savanne und
begegnet höchstens ein paar Warzenschweinen oder Oryxantilopen. Am Tag fahren
maximal zwei Autos an der Farm vorbei. Ludwig witzelte vorhin, wenn heute noch
ein drittes Auto vorbeifährt, beantragt er eine Ortsumgehung... Es ist das Ende
der Welt. Und jeder, der behauptet, sein kleines Heimatdorf in Deutschland
würde am Ende der Welt liegen, hat einfach nur unrecht. DAS HIER ist das Ende
der Welt! Strom gibt es hier nur abends für zwei Stunden, und von Netz,
geschweige denn von Internet, kann ich nur träumen. Leider ist auch noch das
einzige Telefon auf der Farm kaputt, also habe ich absolut keine Möglichkeit,
Kontakt nach Deutschland aufzubauen. Ich muss zugeben, dass ich daran ziemlich
zu knabbern habe und aufpassen muss, dass ich nicht anfange, das alles hier zu verabscheuen und abbrechen zu wollen (Ja, ich habe zwei Stunden nach meiner
Ankunft schon ausgerechnet, ob ich es mir finanziell leisten könnte, nach Hause
zu fliegen und erst im Februar wieder nach Südafrika zu fliegen!) Allerdings
muss ich auch zugeben, dass mir die Einsamkeit gut tut und dass alles gar nicht
so schrecklich ist, wie es mir vorkommt. Denn wenn ich von meinem Treppenabsatz
aufschaue, sehe ich zwei kleine Welpen, die lautstark miteinander spielen. Ich
sehe einen wunderschön blühenden Baum neben dem Haupthaus und es riecht nach
Kräutern und Kaffee. Bis auf das Quietschen des Windrades, und leise Musik, die
aus dem abgelegenen Steinhäuschen der afrikanischen Farmarbeiter kommt, höre
ich nichts.
Es ist wunderschön hier.
Die Menschen sind alle sehr nett zu mir, bis auf die Arbeiter und ihre Familien, die sehr schüchtern sind und mir deutlich zu verstehen geben, dass ich „eine Weiße“ bin. Ich hoffe sehr, dass sich das noch irgendwann ändert, und dass ich nicht nur das Leben des „weißen Farmers“ kennenlerne, sondern auch einen Einblick in deren Leben bekomme.
Die Menschen sind alle sehr nett zu mir, bis auf die Arbeiter und ihre Familien, die sehr schüchtern sind und mir deutlich zu verstehen geben, dass ich „eine Weiße“ bin. Ich hoffe sehr, dass sich das noch irgendwann ändert, und dass ich nicht nur das Leben des „weißen Farmers“ kennenlerne, sondern auch einen Einblick in deren Leben bekomme.
Einsamkeit hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland, eine viel intensivere. Das war mir damals wohl überhaupt nicht klar. Diese Art von Einsamkeit habe ich noch nie gespürt und es ist nicht einfach, sich damit abzufinden. Ob ich zuversichtlich bin, dass ich die ganzen Wochen hier überstehe, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. In dem ersten Blogbeitrag, dem Brief an Afrika, habe ich geschrieben, dass ich hoffe und auch befürchte, dass mich das Land mit all seiner Wucht trifft... Ich hatte ja keine Ahnung, dass Namibia das so wörtlich nimmt! Ich denke, ich muss hier erst mal eine gewisse Zeit verbringen, mich an alles gewöhnen, und vor allem lernen zu genießen. Was ich allerdings jetzt schon gelernt habe ist, dass Träume und Pläne nie so verlaufen, wie man es sich in seiner Vorstellung ausgemalt hat. Die Realität sieht ganz anders aus, und kann manchmal auch sehr schmerzhaft sein.
Trotzdem bereue ich es nicht, einen
Mutausbruch gehabt zu haben, und auch wenn ich gerade merke, dass ich
vielleicht doch gar nicht so mutig bin: Mutausbrüche sind etwas Positives! Ein
bisschen Selbstüberschätzung zwingt einen dazu, seine Grenzen zu überwinden und
auch mal aus seinem Schneckenhaus zu kommen und sich ins Ungemütliche zu
stürzen.
Diesen Mutausbruch werde ich – da bin ich mir
sicher!- niiiie wieder vergessen.
Macht euch keine Sorgen, mir geht es gut!
Bis bald! Eure Leni
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