Freitag, 11. November 2016

Mutausbrüche und andere Katastrophen


So sieht mein Zuhause in Namibia aus.
MUTausbruch. Anders lässt sich das, was ich vor einigen Monaten gehabt habe, nicht erklären. Ich würde eigentlich schon behaupten, dass ich einigermaßen mutig bin, zumindest bin ich kein Angsthase. Doch nun, kurz nach meiner Landung in Namibia, frage ich mich: Was zum Teufel war mit mir los, als ich mich dazu entschieden habe, drei Monate auf einer Rinderfarm in Namibia zu verbringen? Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich keine Ahnung, was da auf mich zukommt und auch wenn mich Ludwig (der Farmbesitzer) vorgewarnt hatte, war ich davon überzeugt, dass mir die Abgeschiedenheit und die Stille auf der Farm wenig ausmachen würde.

Doch jetzt sitze ich hier, auf dem Treppenabsatz zu meinem Gästehäuschen, schreibe diesen Text und komme in der Realität an. Und diese Realität besteht aus Schweiß, Insekten und der absoluten Einsamkeit. Die nächste Stadt liegt 40 km von der Farm entfernt, man fährt ca. 45 Minuten auf einer Schotterpiste durch eine staubtrockene Savanne und begegnet höchstens ein paar Warzenschweinen oder Oryxantilopen. Am Tag fahren maximal zwei Autos an der Farm vorbei. Ludwig witzelte vorhin, wenn heute noch ein drittes Auto vorbeifährt, beantragt er eine Ortsumgehung... Es ist das Ende der Welt. Und jeder, der behauptet, sein kleines Heimatdorf in Deutschland würde am Ende der Welt liegen, hat einfach nur unrecht. DAS HIER ist das Ende der Welt! Strom gibt es hier nur abends für zwei Stunden, und von Netz, geschweige denn von Internet, kann ich nur träumen. Leider ist auch noch das einzige Telefon auf der Farm kaputt, also habe ich absolut keine Möglichkeit, Kontakt nach Deutschland aufzubauen. Ich muss zugeben, dass ich daran ziemlich zu knabbern habe und aufpassen muss, dass ich nicht anfange, das alles hier zu verabscheuen und abbrechen zu wollen (Ja, ich habe zwei Stunden nach meiner Ankunft schon ausgerechnet, ob ich es mir finanziell leisten könnte, nach Hause zu fliegen und erst im Februar wieder nach Südafrika zu fliegen!) Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir die Einsamkeit gut tut und dass alles gar nicht so schrecklich ist, wie es mir vorkommt. Denn wenn ich von meinem Treppenabsatz aufschaue, sehe ich zwei kleine Welpen, die lautstark miteinander spielen. Ich sehe einen wunderschön blühenden Baum neben dem Haupthaus und es riecht nach Kräutern und Kaffee. Bis auf das Quietschen des Windrades, und leise Musik, die aus dem abgelegenen Steinhäuschen der afrikanischen Farmarbeiter kommt, höre ich nichts.


Es ist wunderschön hier.

Die Menschen sind alle sehr nett zu mir, bis auf die Arbeiter und ihre Familien, die sehr schüchtern sind und mir deutlich zu verstehen geben, dass ich „eine Weiße“ bin. Ich hoffe sehr, dass sich das noch irgendwann ändert, und dass ich nicht nur das Leben des „weißen Farmers“ kennenlerne, sondern auch einen Einblick in deren Leben bekomme.




Einsamkeit hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland, eine viel intensivere. Das war mir damals wohl überhaupt nicht klar. Diese Art von Einsamkeit habe ich noch nie gespürt und es ist nicht einfach, sich damit abzufinden. Ob ich zuversichtlich bin, dass ich die ganzen Wochen hier überstehe, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. In dem ersten Blogbeitrag, dem Brief an Afrika, habe ich geschrieben, dass ich hoffe und auch befürchte, dass mich das Land mit all seiner Wucht trifft... Ich hatte ja keine Ahnung, dass Namibia das so wörtlich nimmt! Ich denke, ich muss hier erst mal eine gewisse Zeit verbringen, mich an alles gewöhnen, und vor allem lernen zu genießen. Was ich allerdings jetzt schon gelernt habe ist, dass Träume und Pläne nie so verlaufen, wie man es sich in seiner Vorstellung ausgemalt hat. Die Realität sieht ganz anders aus, und kann manchmal auch sehr schmerzhaft sein.

Trotzdem bereue ich es nicht, einen Mutausbruch gehabt zu haben, und auch wenn ich gerade merke, dass ich vielleicht doch gar nicht so mutig bin: Mutausbrüche sind etwas Positives! Ein bisschen Selbstüberschätzung zwingt einen dazu, seine Grenzen zu überwinden und auch mal aus seinem Schneckenhaus zu kommen und sich ins Ungemütliche zu stürzen.

Diesen Mutausbruch werde ich – da bin ich mir sicher!- niiiie wieder vergessen.

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Macht euch keine Sorgen, mir geht es gut!
Bis bald! Eure Leni













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