Dienstag, 9. Mai 2017

#4 Liebes Afrika

Liebes Afrika,


ich melde mich heute aus Sansibar und ich denke das wird der letzte Brief sein, den ich an dich schreibe. Wie du weißt, sind unsere gemeinsamen Tage gezählt, was mich im Moment ein bisschen traurig macht. In den letzten Wochen hast du mir noch einmal gezeigt, wie kreativ und vielfältig du bist. Ähnlich wie damals in Namibia hast du auch hier in Tansania dafür gesorgt, dass sämtliche Pläne umgeschmissen werden und Platz machen für unerwartete, neue Erfahrungen. So durfte ich zwei Wochen in Mtwara verbringen, konnte einen Tag lang auf einem Fischerboot mitfahren, habe gelernt wie man Armbändchen selbst macht und wie der typisch tansanische Gin Konyagi schmeckt. Mtwara hat mir die Lebensweise der locals gezeigt und mich kurzzeitig fast zu einer richtigen Afrikanerin gemacht: Ich habe Ugali (traditionelle Maismehlspeiße) gekocht, fast ausschließlich mit den Händen gegessen, Bao (Brettspiel mit kleinen Samen oder Steinchen) gespielt, und Kokosnusswasser direkt aus der Kokosnuss geschlürft. Es hat sich fast so an gefühlt,  als wolltest du mir gegen Ende meiner Reise nochmal unbedingt ganz genau zeigen, was Afrika bedeutet. Oder wie sich Afrika anfühlt. Oder schmeckt. 



Nach Mtwara habe ich den dicken Kontinent zum ersten Mal seit einem halben Jahr verlassen und bin mit der Fähre nach Sansibar übergesetzt. Und als wäre ich wirklich auf einem anderen Kontinent und nicht nur auf einer kleinen Insel gelandet, fühlt sich das Leben auf Sansibar nicht mehr ganz so afrikanisch an: Es gibt Bars und Restaurants und große wunderschöne Hotelkomplexe aus Korallenstein. Es riecht überall nach Spice Coffee und Morgens um Fünf fängt der Muezzin an, seine Gebete zu singen. Die sehr islamisch geprägte Insel Sansibar ist nicht wirklich europäisch aber auch nicht sehr afrikanisch und bietet somit für mich die perfekte Plattform um mich von der einen Kultur wieder langsam an die andere Kultur zu gewöhnen,  ohne dass der Kulturschock allzu groß wird. Die Insel ist genau so, wie man es sich vorstellt: Die schönsten Strände der Welt reihen sich hier ohne Ausnahme aneinander und das einzige, das mich vom täglichen Baden im Meer abhält ist der unablässige Regen. Denn genau in den zwei Wochen, in denen ich auf Sansibar lebe ist natürlich Hauptregenzeit. War ja klar. 


Aber auch das, liebes Afrika, macht mir nicht so viel aus.  Ich bin so dankbar,  dass du dich mir so intensiv zeigst. Und auch, wenn ich das Gefühl habe, dass mein innerer Speicher langsam voll ist und ich einfach nicht mehr so viel Input aufnehmen kann, versuche ich zu genießen und all die Eindrücke trotzdem abzuspeichern.  Denn jetzt ist es wirklich nicht mehr lange bis ich mich vorerst von dir verabschieden muss. 


„I know now that is what you are, Africa: Happiness, contentment and fulfilment. And a small bird singing on a mango tree“ - John Wyllie. 


Danke, dass du mir das beigebracht hast.

In Liebe, 
deine Leni








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