Freitag, 23. Dezember 2016

Heimweh

Pünktlich zu Weihnachten meldet es sich wieder – das Heimweh.
Bisher, also bis vor meiner Afrikareise, hatte ich nicht allzu viel mit Heimweh am Hut. Obwohl ich schon öfters ohne Mama oder Papa unterwegs war, hatte ich nie das Gefühl, jemanden zu vermissen oder nach Hause zu wollen – es war ja trotzdem immer jemand da, dem ich vertraut habe, meine Oma, meine beste Freundin oder wer auch immer.
Hier, eine halbe Welt von sämtlichen Vertrauenspersonen entfernt, sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Vor allem die erste Woche auf der Rinderfarm war hart. Sehr hart. Die ersten paar Stunden, als ich völlig erschöpft vom Verabschieden und übermüdet vom Flug meinen Koffer ausgepackt habe, hatte ich einen fetten Klos im Hals und mir sind die Tränen einfach aus den Augen gelaufen, ich konnte absolut nichts dagegen machen. Ich hab mich geschämt, weil ich mir so kindisch vorkam und außerdem war ich ja erst 12 Stunden von meinem Zuhause weg. Diese Seite an mir kannte ich eigentlich bisher nicht und trotzdem erwischte ich mich dabei, wie ich jeden Abend einen Tag in meinem Kalender durchgestrichen und sehnsüchtig auf mein Rückreisedatum geschaut habe. Nur noch 216 Tage. Nur noch 215 Tage. Oh Gott, bis dahin werde ich eingegangen sein! Das erste kurze Telefonat mit Mama nach meiner Ankunft war ein einziges Geheule – mitten in einem Restaurant, wo mich alle irritiert angestarrt haben. Es hätte mir eigentlich peinlich sein sollen, aber in dem Moment war mir das scheißegal, ich wollte zu Mama und mich von ihr betüddeln lassen, wie eine Fünfjährige. Noch schlimmer wurde es, als ich mich wenige Tage nach meiner Ankunft nach einem Gewitter erkältete und morgens mit Fieber aufgewacht bin. Es war bisher der schlimmste Heimweh-Moment: Ich saß völlig verschwitzt auf dem Bett und hatte die Nacht kaum geschlafen. Ich hatte das Gefühl, als ob eine Art Panik in mir aufsteigt und mir wurde bewusst, wenn ich jetzt nicht sofort nach Hause komme, raste ich aus. Aber ich hab mich zusammengerissen. Durchgeatmet. Und seitdem habe ich mein Heimweh im Griff. Natürlich denke ich jeden Tag an meine Lieblingsmenschen, aber mit einem positiven Gefühl im Bauch, nicht mit der elenden Verzweiflung. So oft gibt es Momente, in denen ich Papa gern was erzählen oder zeigen würde, oder mit meinem besten Freund das Outfit der Frau da drüben äh... „besprechen“ würde. Dann fällt mir ein, dass das ja gar nicht geht, aber das ist nicht schlimm. Das große Heimweh habe ich wohl hoffentlich überstanden.
Jetzt über die Feiertage packt mich höchstens die Melancholie und ich guck mir stundenlang alte Bilder an oder lese mir alte Nachrichten auf meinem Handy durch. Und ab und zu kommen mir immer noch ein paar Tränen, aber jeder Brief, jedes Telefonat, und jede kleine SMS gibt mir Kraft und hilft mir, die Wochen und Monate bis zu meiner Rückkehr zu überstehen. Ich bin auch davon überzeugt, dass mir der Abstand gut tut, denn nie lernt man etwas so zu schätzen, als wenn man es mal für längere Zeit nicht mehr haben kann. Ich bin so froh, dass ich so viele Menschen in meinem Umkreis habe, die mich unterstützen, die immer für mich da sind, bei denen ich genau so sein kann, wie ich bin, und die mich trotzdem lieb haben! Ich möchte euch einfach mal Danke sagen. Erst jetzt merke ich langsam, wie wichtig und wie schön es ist, solche Menschen zu haben. Und bevor ich jetzt schon wieder Pipi in den Augen habe, hör ich lieber auf zu schreiben. Ich glaube ihr wisst, was ich euch sagen will!

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten, genießt den Schnee, falls ihr welchen habt! Und habt nen guten Start ins neue Jahr, ich werde in Gedanken bei euch sein.

Ganz viel Liebe,
Leni


Ps: Danke sagen möchte ich auch mal den Menschen, die immer wieder meinen kleinen Blog besuchen und mich so unterstützen! Die Arbeit macht mir so Spaß, vor allem, wenn ich weiß, dass sich auch jemand für das, was ich so von mir gebe, interessiert! DANKE!

3 Kommentare:

  1. Lenii,
    Jetzt hab ich auch mal gesehen wo man Kommentare schreiben kann�� hab dir ja versprochen, dass ich mal einen Kommentar da lass ��
    Frohe Weihnachten �� und mach weiter so, weisch ja s leba isch koin Ponyhof.
    Liebe Grüße aus Ennedach City
    Jule

    P.s. Schnee hats keinen ����

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    1. Juleeee, du bist ja sweet! Danke, dir und allen anderen zu Hause auch!
      Ganz liebe Gruesse!

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  2. Liebe Leni,
    Auch die gestresste Medizinstudentin schafft es ab und zu deinen Blog zu lesen! Und jedes mal ergreift mich wieder das Fernweh!! Ich find es echt toll wie ehrlich du deine Reise präsentierst. Weiter so! Deine Texte werden auch immer besser :) Zukunftspläne vielleicht nicht doch im Journalismus? ;)
    Guten Rutsch und liebe Grüße,
    Melissa

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