Samstag, 31. Dezember 2016

Es war einmal...


Es war einmal eine verzweifelte Schülerin, die mit den Entscheidungen bezüglich ihrer Zukunft völlig überfordert war. Sie suchte nach passenden Berufen, Ausbildungsplätzen oder Studiengängen, doch nichts schien ihr wirklich zu gefallen. Das Abitur rückte näher, und somit auch der Termin, an dem sie wissen musste, was sie später werden wollte. Doch noch immer hatte die Schülerin keine Entscheidung getroffen. Aus Angst, den falschen Weg zu wählen, versuchte sie Zeit zu schinden, aber wie sollte sie das machen? Da kam ihr die rettende Idee: Sie wollte ein Jahr lang ins Ausland, um etwas von der Welt zu sehen, und um noch ein bisschen mehr Zeit zu haben, bis sie sich schlussendlich für einen Beruf entscheiden musste. Sie hoffte, auf ihrer Reise einen Moment der Erleuchtung zu haben, um dann nach diesem Jahr zielstrebig eine berufliche Karriere starten zu können...
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute. Arbeits- und ahnungslos. Auf einer Rinderfarm, mitten auf dem afrikanischen Kontinent und stopft sich mit Fettcookies voll.

So oder so ähnlich kam ich dazu, mir eine Aus(lands)zeit zu genehmigen. Klingt ziemlich banal und unromantisch, ich weiß. So lang weg zu gehen, nur weil ich Schiss davor habe, mich für einen Beruf zu entscheiden?! Ja, das war ein Grund, aber natürlich nicht der Einzige. Schon seit mehreren Monaten beschäftige ich mich intensiv mit verschiedenen Berufen aber irgendwie finde ich an allem etwas auszusetzen. Das Eine ist mir zu stressig, das Andere zu langweilig, und für das Dritte bringe ich nicht genug Mut auf. Der eine Beruf lässt nicht zu, das ich später eine Familie gründen kann, der andere macht mich sofort zum Hausmütterchen, das ich nicht sein will. Es ist nervenaufreibend. Ich kann gar nicht so richtig erklären, warum ich mich selbst wegen dieser Zukunftsfrage so unter Druck setze, aber im Grunde genommen ist es ganz einfach: Ich habe Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen und dann in zehn Jahren zu merken, dass ich in meinem Beruf nicht glücklich bin. Vielleicht bin ich naiv, zu glauben, dass es irgendwann auf meiner Reise „Pling!“ macht, und ich mir dann sicher bin, welchen beruflichen Weg ich gehen will. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, und selbst wenn ich vergeblich auf das „Pling!“ warte, so bin ich mir doch ziemlich sicher, dass ich mich nach den 8 Monaten in Afrika ein bisschen besser kennen gelernt habe und es mir hoffentlich leichter fällt, so eine wichtige Entscheidung zu treffen.
„Schuld“ an meiner Auslandszeit ist aber nicht nur die Angst, einen Beruf zu finden, sondern zum Beispiel auch meine großen Geschwister, die mir alle, jeder auf seine Art und Weise große Vorbilder sind und mich mit ihren teils verrückten Reisen (ein Jahr Südamerika, monatelang durch Namibia und Südafrika, im Winter mit dem Zelt nach Island, Backpacken in Israel, den Jakobsweg gehen) angesteckt haben. Gerade in der Prüfungszeit hat mich das Fernweh gepackt, aber so richtig! Und niemand hat mich daran gehindert, mein Reisefieber in die Tat umzusetzen - weder meine Eltern, noch meine Freunde, noch mein Liebster. Im Gegenteil, ich habe so viel Unterstützung bekommen, dass mir irgendwann gar nichts anderes mehr übrig blieb, als meine Pläne durchzuziehen.
Im Nachhinein stelle ich verwundert fest, dass es nie den einen Moment gab, in dem ich mich für diese Reise entschieden habe. „Nur mal um zu gucken“ habe ich im Internet gesurft und mich bei Bekannten umgehört, aus Kanada wurde Afrika als Ziel, und plötzlich hatte ich die Telefonnummer von Ludwig, seine Zusage, das OK vom Pferdehof in Tansania und sämtliche Flüge in der Tasche. Und dann wurde mir klar: Okay, jetzt musst du es wirklich machen. Das klingt jetzt alles so willkürlich und mühelos, was es natürlich nicht war! Ich habe Monate gebraucht, um alle Dokumente, Impfungen, finanzielle Dinge usw. zu organisieren, bin von A nach B gerannt, habe mir Geld dazuverdient und tausend weitere Sachen erledigt. Aber wie gesagt, im Nachhinein kommt es mir so vor, als wär alles so dahingeplätschert ohne dass ich wirklich realisiert habe, dass ich da gerade die nächsten Monate meines Lebens verplane.

Nun bin ich hier, mittendrin in meinem Abenteuer, genieße jeden Moment und danke mir selbst und meiner Familie, meinen Freunden, dass ich in diese Reise „hineingerutscht“ bin. Und was meine Berufsfindung angeht, najaa...wenn es ganz still ist spitze ich vorsichtshalber meine Ohren, damit ich das „Pling!“, falls es je kommen sollte, nicht überhören kann. :)

Ganz liebe Grüße, und falls jemand Berufsempfehlungen hat, immer her damit!

Eure Leni


2 Kommentare:

  1. Hey Leni! Mein Name ist David und ich habe von einem ehemaligen Lehrer erfahren, dass du hier immer wieder etwas schreibst. Ich muss gestehen, dass ich total neidisch bin. Mich hat es schon immer ganz weit weg gezogen. Ich stehe auch vor dem Abitur, naja in zwei Jahren ist es soweit aber das ist bekanntlich schneller vorbei als einem lieb ist. Mir geht es wie dir, ich habe absolut keine Ahnung was nach dem Abitur passieren soll. Deshalb würde ich sehr gerne meinem Wunsch Afrika zu sehen nachgehen. Einige fragen kommen mir da aber schon auf. Z.b. wie finanziere ich sowas? Muss man sich da irgendwo bewerben? Oder wie kommt man auf eine Farm?

    Ich weiß nicht ob dich mein Kommentar erreicht oder ob ich hier nicht írgendein Google Post hochlade, da ich mich nicht mit Computern auskenne. Allerdings hoffe ich sehr das du das liest und mir antworten kannst.

    Ich finde es übrigens total cool das du so viel schreibst und lese das wirklich gerne!:)


    Grüße aus Deutschland

    David

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    1. Hey David, ich freu mich mega über dein Kommentar! Es klingt, als hättest du zu viele Fragen, um sie hier zu beantworten, vielleicht kannst du mir über die Mailadresse bei meinen Kontaktangaben oder auf Instadirect schreiben, falls du das hast. :)
      Ganz liebe Grüße aus Südafrika
      Leni

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